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Interview

Nahrungsmittelexporte
vom 27.07.2017

Interview

Wir nehmen Afrikas Bauern ihre Entwicklungsperspektive, sagt Francisco Mari, Referent für Welternährung beim Entwicklungsdienst „Brot für die Welt“.

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ÖKO-TEST: Wie bedrohlich sind Nahrungsmittelexporte aus Europa für afrikanische Kleinbauern?

Mari Kleinbauern in Afrika stützen sich oft auf mehrere Produkte. Die meisten verbrauchen sie selbst. Sie brauchen aber auch Geld und müssen dafür Produkte auf Märkten verkaufen, am besten solche mit höheren Preisen. Käse, Tomatenmark, Hähnchen oder Saft werden von kaufkräftigen Kunden in den Städten nachgefragt. Genau das sind aber Produkte, die unter Importen aus der EU leiden. Unsere Exporte zerstören nicht die afrikanische Landwirtschaft, sie nehmen den Bauern aber ihre Entwicklungsperspektiven.

Wie wichtig wäre die Landwirtschaft für die Bekämpfung von Fluchtursachen?

Die Landwirtschaft beschäftigt 60 bis 70 Prozent der Menschen in Afrika, wirft aber nur karge Gewinne ab. In Verarbeitung und Vertrieb von Agrarprodukten stecken große Potentiale, die sich aber wegen der Importe europäischer Agrarprodukte und der Exporte unverarbeiteter Produkte nach Europa kaum entfalten können. Wichtig wäre die Unterstützung und Förderung von Kleinbauern, bessere Beratung, staatliche Saatgutforschung. Das entscheidet mit über die Frage „Gehen oder Bleiben“.

Können deutsche Verbraucher einen Beitrag leisten?

Wer hierzulande Bio-Ware kauft, trägt dazu bei, dass die Exportorientierung durch Turbokühe und Massentierhaltung nicht noch mehr auf Kosten afrikanischer ProduzentInnen geht. Bio-Milch ist zu teuer, um in Afrika einen Markt zu finden. Umgekehrt sollten Importprodukte aus Fairem Handel im Einkaufswagen landen. Produkte, die in Europa aus afrikanischer Rohware, wie Zucker, Kakao oder Kaffee, hergestellt werden, sichern ihren Produzenten nur geringe Einnahmen.

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