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Billigpulver für die Welt

Nahrungsmittelexporte
vom 27.07.2017

Billigpulver für die Welt

Der Westen Afrikas gilt, auch wegen des starken Bevölkerungswachstums, neben Ostasien als ein wichtiger Markt für die europäischen Konzerne.

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Milchpulver aus Europa ist in Afrika allgegenwärtig. Wurden 2009 noch 229.000 Tonnen eingeführt, so waren es 2015 schon 691.000 Tonnen. Starken Zuwachs gibt es vor allem bei billigem Magermilchpulver, dem in Europa das Fett für Sahne und Butter entzogen wird und das in Afrika mit billigem Palm- oder Kokosöl gemischt wird. Die Exportmenge stieg binnen zehn Jahren von 112.000 auf 256.000 Tonnen; sie ersetzt 1,6 Millionen Tonnen Frischmilch. Daraus erzeugte Produkte, deren Qualität eher bescheiden ist, zielen auf arme Bewohner afrikanischer Großstädte.

Für die europäische Milchindustrie ist der Kontinent ein willkommener Exportmarkt. Die Branche produziert viel mehr Milch, als hierzulande verzehrt wird. 2015 wurden 156 Millionen Tonnen erzeugt, sieben Prozent mehr als 2014. Exporte gelten aus Ausweg aus der Überproduktionskrise. Einst wurden sie durch enorme Subventionen gestützt. Das gibt es nicht mehr. Die Branche setzt nun vor allem auf Massenprodukte wie Milchpulver – und begibt sich damit in einen Markt, in dem man „vor allem über den Preis und kaum durch Qualität“ besteht, heißt es in der Studie Billiges Milchpulver für die Welt von Germanwatch und Brot für die Welt. Für europäische Bauern, die kostendeckende Preise erzielen wollen, sei das eine „schlechte Nachricht“.

Der Westen Afrikas gilt, auch wegen des starken Bevölkerungswachstums, neben Ostasien als ein wichtiger Markt. Große europäische Konzerne beteiligen sich daher an Molkereien. Ihre Strategie ist auch politisch abgesichert. Ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen der Region mit der EU, das aber noch nicht ratifiziert ist, legt für Milchpulver einen Zoll von höchstens fünf Prozent fest.

Das ist auch für Bauern der Region eine schlechte Nachricht. Von ihnen hergestellte Frischmilch ist teuer. In Burkina Faso kostet sie 650 Francs je Liter gegenüber 225 Francs für Milch aus Pulver, heißt es in einer Studie von OXFAM Belgien.

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