Startseite
Schlechtes Geschäft

Nahrungsmittelexporte
vom 27.07.2017

Schlechtes Geschäft

Gewinne afrikanischer Länder aus Nahrungsmittelexporten (im Bild Kakaobohnen) fließen oft direkt in den Import von Lebensmittel wie Reis

105
Einen erheblichen Teil der Gewinne, die Afrika mit dem Verkauf von Kakao, Kaffee und anderen Agrarerzeugnissen erlöst, gibt es umgehend wieder für Nahrungsmittel aus. Afrika importiert 37 Prozent der verbrauchten Äpfel und 27 Prozent der Butter, 83 Prozent des Palmöls und auch 60 Prozent des hier verzehrten Weizens. Allein Deutschland exportiert Getreide für 396 Millionen Euro nach Afrika.

Ein Problem ist die umfangreiche Einfuhr von Weizen – sie beläuft sich auf 37 Millionen Tonnen, davon 20 Millionen aus der EU – nicht nur für die Devisenkassen der Länder, sondern auch für die Landwirte vor allem in Westafrika. Weil dort importierter Weizen und billiger Reis aus Asien einheimische Getreide wie Hirse und Sorghum verdrängen, gehen Absatzmöglichkeiten für die Bauern verloren. In Senegal sank der jährliche Verbrauch der beiden eiweiß reichen lokalen Getreidesorten von 80 auf 25 Kilogramm je Einwohner.

Dass europäischer Weizen in Afrika auf den Markt drängte, war zunächst massiver finanzieller Hilfe, von der EU, zu verdanken. Sie zahlte Exportsubventionen – auch für andere Agrarprodukte wie Milch und Butter. Ziel war es, Überschüsse einer industrialisierten und hoch produktiven Landwirtschaft in anderen Weltregionen auf den Markt zu bringen. 1991 gab die EU zehn Milliarden Euro für diese Zwecke aus. Das System stand unter Entwicklungsorganisationen stets in der Kritik. Ihr Vorwurf: Landwirte in den Zielländern könnten mit solcherart gestützten Preisen nicht mithalten und würden aus dem Markt gedrängt. Es hätte deshalb wie ein politischer Erfolg wirken können, als Dacian Ciolos, damaliger EU-Agrarkommissar, auf der Grünen Woche 2014 erklärte, die EU wolle auf die „Erstattung von Ausfuhren in Entwicklungsländer verzichten“.

Allerdings war die Bedeutung der staatlichen Exporthilfen schon zu dieser Zeit stark gesunken. Im Jahr 2001 flossen in Europa noch 2,76 Milliarden Euro; 2011 waren es weltweit gerade noch 500 Millionen, davon 190 Millionen in der EU. Sie wurden hauptsächlich für die Ausfuhr von Geflügel, Milchpulver, Käse und Rindfleisch gewährt. Inzwischen steht das Ende der Exportsubventionen bevor. Die Agrarminister der WTO-Mitgliedsländer einigten sich auf einer Konferenz in Nairobi im Jahr 2015, das Instrument für Agrarprodukte abzuschaffen; es ist nur noch für eine Übergangsfrist zulässig.

Die Politik frohlockte. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sah in der Entscheidung einen „wesentlichen Beitrag zu einem chancengleichen und stärker regelbasierten Weltagrarhandelssystem“; die EU sprach von einem „Meilenstein“. Alle Landwirte würden nun „zum ersten Mal bei Exporten gleiche Wettbewerbsbedingungen erleben“.

Kritiker widersprechen. Aus ihrer Sicht haben sich die Exportsubventionen überlebt – und wurden teils durch andere, ebenfalls unfaire Regularien ersetzt. Eine Rolle spielte, dass zuletzt die Preise für Lebensmittel weltweit gestiegen sind; Exporte sind für europäische Landwirte deshalb auch ohne Finanzhilfen kein Verlustgeschäft mehr. Zugleich hätten sich afrikanische Verbraucher an Produkte aus Weizen inzwischen so gewöhnt, dass sie auch zu hohen Preisen importiert werden müssten.

Inhaltsverzeichnis

Weiterlesen?