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Klimawandel

Klimawandel
vom 27.04.2017

Klimawandel

Die Erde heizt sich auf, kaum jemand bestreitet das heute noch. Aber ist die Ursache für die globale Erwärmung tatsächlich der Mensch mit seiner Lebensweise? Oder sind es nicht doch die Sonne und andere natürliche Faktoren, die das Klimageschehen lenken? Immer wieder melden sich sogenannte Klimaskeptiker zu Wort, die den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel bezweifeln. Dabei können Laien oft nicht erkennen, ob es um seriöse wissenschaftliche Erkenntnisse, gezielte Falschbehauptungen oder politische Panikmache geht. Wir haben die häufigsten Argumente der Klimaskeptiker überprüft.

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Behauptung: Den Klimamodellen kann man nicht trauen. Sie enthalten zu viele Unsicherheiten und Lücken, so dass verlässliche Prognosen für lange Zeiträume gar nicht möglich sind. Wir können ja nicht einmal das Wetter der nächsten zwei Wochen korrekt vorhersagen.

Fakt: Es stimmt, das Klima ist ein extrem komplexes System mit vielen Unbekannten. Allerdings kann man Wettervorhersagen, die sich ja auf eine Zeitspanne von nur wenigen Stunden in einer bestimmten Region beziehen, nicht mit Prognosen zur langfristigen Klimaentwicklung vergleichen. Das Wetter verläuft chaotisch. Es wird kurzfristig von Faktoren wie Temperatur, Luftdruck oder Windgeschwindigkeit bestimmt, die nur schwer prognostizierbar sind. Klimamodelle beziehen sich dagegen auf viel längere Zeiträume von mindestens dreißig Jahren bis hin zu ganzen Epochen. Einzelne Wetterextreme oder periodisch auftretende Phänomene wie beispielsweise El-Niño-Ereignisse, die alle paar Jahre an der Westküste Südamerikas zu extremer Trockenheit oder sintflutartigen Regenfällen führen, werden statistisch ausgeglichen.

Zweifellos enthalten die Ergebnisse der Klimasimulationen viele Unsicherheiten. Die liegen vor allem in den Randbedingungen, die in den Rechenmodellen vorgegeben werden und für die Zukunft nicht genau bekannt sind – etwa die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre, der Zustand der tropischen Regenwälder, der Eintrag an Süßwasser durch abschmelzende Gletscher oder zeitliche Veränderungen der Sonnenstrahlung. Verschiedene Varianten werden von den Forschern deshalb in unterschiedlichen Szenarien durchgerechnet. Klimaprognosen – oder besser Klimaprojektionen – sind also auch immer Wenn-dann-Aussagen. Je nach Randbedingung ergeben sich unterschiedliche Entwicklungspfade. Dazu kommt: Es gibt viele Wechselwirkungen und Rückkoppelungseffekte zwischen einzelnen Komponenten, die die Wissenschaftler im Detail noch nicht verstehen. Unklar ist beispielsweise, wie stark die Meeresströme, Wolken oder Anzahl der Schwebeteilchen in der Luft die globale Erwärmung ankurbeln oder bremsen.

Doch trotz aller Defizite haben sich die Klimamodelle bisher schon als sehr leistungsfähig erwiesen. Unsicherheiten beziehen sich hauptsächlich auf das Tempo des Klimawandels und die regionalen Auswirkungen, nicht aber auf den grundsätzlichen Trend. Computergestützte Klimaprognosen gibt es schon seit dreißig Jahren. Und tatsächlich hat sich die Erde seitdem genauso stark erwärmt, wie die Rechenmodelle es im Mittel erwartet haben. Die Qualität der Computersimulationen zeigt sich aber vor allem in ihrer Fähigkeit, auch die Klimaentwicklung der letzten Jahrhunderte und Jahrtausende realistisch abzubilden. Diesen Test bestehen sie inzwischen mit Bravour. Überprüfen lässt sich das anhand von Eis- und Sedimentbohrkernen, Baumringen und Korallen, die eine Fülle wertvoller Informationen über das historische Klimageschehen und seine Umweltbedingungen speichern, etwa zur Temperatur oder dem Anteil von Treibhausgasen und Schadstoffen in der Atmosphäre. Und so zuverlässig die Klimamodelle die Vergangenheit simulieren, so eindeutig sagen sie seit Jahrzehnten eine durch den Treibhauseffekt bedingte globale Erwärmung voraus. Der Klimawandel ist real und zum größten Teil auf die Lebensweise der Menschen zurückzuführen – darüber sind sich die Wissenschaftler so einig wie selten einmal. „Um das nachzuweisen, braucht man gar kein Computermodell“, sagt der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf. „Diese Erkenntnis ergibt sich schon aus den Messdaten und den Grundlagen der Physik.“

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