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Invasive Arten

Invasive Arten
vom 28.08.2015

Invasive Arten

Manche wurden absichtlich eingeführt, andere kamen mit Importen aus aller Welt als blinde Passagiere ins Land. Nur ein kleiner Prozentsatz der gebietsfremden Pflanzen (im Bild die Herkulesstaude) und Tiere wird zum Problem für die heimische Natur. Doch um die Artenvielfalt zu erhalten, gilt es, die Neuankömmlinge genau zu beobachten – und rechtzeitig einzuschreiten.

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Bei manchen Arten besteht kaum eine Chance, sie je wieder loszuwerden: Zum Beispiel beim Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt, der eigentlich aus dem Kaukasus stammt. Eingeführt wurde die großwüchsige, bis zu drei Meter hohe Pflanze im 19. Jahrhundert, als Zier für königliche und fürstliche Gärten. Einmal im Land, verbreitete sich der Riesenbärenklau unaufhaltsam – kein Wunder, schließlich bildet jedes der Gewächse etwa 100.000 Samen, die sich mit Wind und Wasser verbreiten und noch dazu keine großen Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit stellen. Heute wuchert die Herkulesstaude überall in Europa an Straßenrändern, Flussläufen und auf Brachflächen.

Auch der japanische Staudenknöterich war einst als Zierpflanze in die Niederlande gebracht worden. Heute findet man ihn in fast allen europäischen Ländern. Die Knöterichpflanze wächst enorm schnell und ausdauernd, manchmal bis zu 30 Zentimeter pro Tag. Zwar sterben die oberirdischen Pflanzenteile in den kalten Monaten ab, doch die Wurzelstöcke überleben selbst harte Winter problemlos, verbreiten sich sowohl in die Tiefe als auch in die Breite und treiben im nächsten Frühjahr mit aller Macht wieder aus. So entstehen schnell sehr dichte Bestände, gegen die kaum noch anzukommen ist. Denn der gesamte Wurzelstock lässt sich nur in einem frühen Stadium noch entfernen. Und selbst dann: Mit Gartenabfall oder Erdaushub entsorgt, erobert sich der japanische Staudenknöterich den nächsten Lebensraum. Auch die unteren Stängelabschnitte können neue Wurzeln bilden, wenn sie etwa von Erde bedeckt sind.

Der Riesenbärenklau und der japanische Staudenknöterich sind zwei klassische Beispiele für gebietsfremde Arten, die zum Problem werden. Letzterer verändert durch seinen rasanten Wuchs und seine Dominanz das ursprüngliche Öko-System, weil er heimische Arten verdrängt. Beim Riesenbärenklau ist das größere Problem, dass er einen giftigen Saft bildet, der auf der menschlichen Haut in Verbindung mit Sonnenlicht zu schmerzhaften Quaddeln, Blasen und großflächigen Verbrennungen führen kann, die nur schwer abheilen – bei empfindlichen Menschen genügt bereits ein einfacher Kontakt mit den Blättern des Doldenblütlers. Etwa eine Million Euro jährlich kostet nach Schätzungen des Bundesamtes für Naturschutz die Behandlung von Betroffenen, das Zehnfache wird für die Bekämpfung der unerwünschten Pflanze ausgegeben.

Dass die beiden Arten solche Schäden anrichten, hat man lange nicht erkannt oder nicht ernst genommen. Die Versäumnisse der Vergangenheit sind nicht mehr gutzumachen: Heute kann man nur noch versuchen, die Pflanzen in Schach zu halten und deren weitere Ausbreitung in ökologisch wertvolle Naturräume zu verhindern. Die beiden Negativbeispiele zeigen, wie wichtig und notwendig es ist, sich um das Thema zu kümmern. Denn natürlich gibt es noch zahlreiche andere Pflanzen und auch Tiere, die eigentlich nicht in Deutschland heimisch sind, sondern auf verschiedenen Wegen ins Land gelangten – und immer noch werden weitere absichtlich eingeführt oder unwissentlich eingeschleppt.

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