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Langsam in Fahrt kommen

Ideen für den Radverkehr
vom 23.04.2018

Langsam in Fahrt kommen

Was Infrastruktur und Akzeptanz des Radverkehrs angeht, strampelt Deutschland seinen Nachbarländern Dänemark und den Niederlanden noch um Jahrzehnte hinterher. Vorbildliche Projekte und kommunale Konzepte ebnen jedoch den Weg in eine neue, nachhaltigere Mobilität.

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Es braucht Mut, sich als Urlauber am Amsterdamer Hauptbahnhof aufs Rad zu schwingen. Noch bevor man richtig im Sattel sitzt, ist ein Pulk Einheimischer leichtfüßig vorbeigestrampelt. Etwas unsicher geht es los, durch den Grachtengürtel in Richtung Museumsviertel der niederländischen Metropole. Schnell aber bemerkt der Besucher, wie leicht das „Fietsen“ hier funktioniert: Breite Wege, leicht passierbare Kreuzungen und radfahrfreundliche Ampelschaltungen erleichtern das Vorankommen. Dazu Autofahrer, die es gewöhnt sind, dass hier Zweiradfahrer die Vorfahrt für sich beanspruchen.

In den Niederlanden gibt es dem dortigen Verkehrsministerium zufolge 22 Millionen Fahrräder – bei 17 Millionen Menschen. Klar: Das flache Land lädt zum Radeln ein. Aber die Infrastruktur unseres westlichen Nachbarlandes tut es auch. Das mehr als 30.000 Kilometer umfassende Radwegenetz ist hervorragend erschlossen und Regierung und Kommunen nehmen nach wie vor viel Geld in die Hand, um es weiter auszubauen. Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) geben Amsterdam und Utrecht 30 Euro und mehr pro Kopf und Jahr für den Veloverkehr aus – während es in Deutschland fast überall deutlich unter fünf Euro seien. Politik und Planer hatten im Autoland Deutschland über Jahrzehnte vor allem den motorisierten Verkehr im Sinn. Doch der Druck auf die Politik wächst, Mobilität neu zu denken. Allein in Berlin hat sich der Radverkehrsanteil seit 2005 verdoppelt. Das Fahrrad hat heute deutschlandweit einen Anteil von etwa elf Prozent am Gesamtverkehr.

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