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Holzhandelsverordnung

Holzhandelsverordnung
vom 25.09.2015

Holzhandelsverordnung

Seit 2013 sagt die EU dem Import von illegal geschlagenem Holz den Kampf an. Doch zwei Jahre später hat sich wenig geändert. Umweltverbände und die Bundesregierung fordern Verbesserungen.

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Die Einkaufstour dauerte einen Tag und sie führte durch die Hamburger Filialen vieler bekannter Ladenketten: Dänisches Bettenlager und Parfümerie Douglas, Ikea und Idee Creativmarkt, Karstadt und Galerie Kaufhof. Die Ausbeute wirkte, als habe jemand im Eiltempo Weihnachtsgeschenke für eine Großfamilie besorgt: ein Schachbrett und Käsemesser, Malpaletten und Fonduegabeln, ein Kosmetikpinsel, Tischtennisschläger, eine Pfeffermühle, ein Weihnachtsstern aus Papier. Doch den Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood ging es nicht darum, Verwandte zu beglücken. Sie erwarben Produkte, die zumindest zum Teil aus Holz bestanden – genauer: dem Augenschein nach aus Tropenholz. Getestet werden sollte, wie effektiv der Kampf der Europäischen Union gegen den Import von illegal geschlagenem Holz verläuft.

Das Ergebnis war ernüchternd. Im Labor bestätigte sich, dass verschiedene Tropenhölzer verarbeitet wurden: Bubinga und Padouk, Sapelí und Makoré, Sipo und Kambala. Etliche davon stehen auf der Roten Liste von Arten, die durch starke Nutzung in ihrem Bestand gefährdet sind. Ein Großteil der Bäume wächst zudem nur in West- und Zentralafrika, mithin in einer Region, in der nach Ansicht vieler Experten bis zu 90 Prozent des Holzes ohne gültige staatliche Lizenz, also illegal, geschlagen wird. Dass diesbezügliche Skepsis im Fall der untersuchten Gegenstände unberechtigt ist, habe keiner der Händler oder Hersteller belegen können, schrieb die Umweltorganisation im Februar 2015 in einem Brief an das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Robin Wood sprach von einem „erschreckenden Resultat“ der Kontrolle. Die Regularien, mit denen Europa gegen den illegalen Holzeinschlag vorgeht, hätten ein „Glaubwürdigkeitsdefizit“.

Eigentlich hat die Europäische Union vor gut zwei Jahren einen Bann über den Import von illegal geschlagenem Holz verhängt. Im März 2013 trat die „European Timber Regulation“ (EUTR) in Kraft, die Holzhandelsverordnung der EU. Sie legt allen Marktteilnehmern die Pflicht auf, die legale Herkunft des von ihnen importierten, verarbeiteten oder gehandelten Holzes so sorgfältig wie möglich nachzuweisen. Zahlreiche Informationen müssen gesammelt werden: zur Art des Holzes, zum Land, der Region und schließlich der Konzession für den Einschlag. Bewertet werden muss, wie häufig illegale Fällungen in der Region sind, ob es Korruption oder bewaffnete Konflikte gibt. Lasse sich das Risiko einer möglichen illegalen Herkunft des Holzes damit nicht „weitestgehend ausschließen“, heißt es in der Verordnung, „dürfen die betroffenen Holzprodukte nicht in den Handel gebracht werden“.

Für derlei strenge Regularien gibt es gute Gründe. Illegale Fällungen sind weltweit ein gravierendes Problem. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen und von Interpol hat Holz, das ohne offizielle Lizenz geschlagen und verkauft wird, einen Handelswert von 100 Milliarden Euro. Das Thünen-Institut für Forstökonomie ging 2009 davon aus, dass weltweit 109 bis 284 Millionen Kubikmeter Holz illegal geschlagen wurden, das sind 7 bis 17 Prozent der gesamten Ernte. Andere Quellen gehen gar von 30 Prozent aus und unterstellen für manche Regionen, die von Konflikten gebeutelt sind und schwache staatliche Strukturen haben, eine Rate von 90 Prozent. Deutschland importierte nach Angaben des Thünen-Instituts 120 Millionen Kubikmeter Holz. Für 2009 wurde angenommen, dass 2,4 bis 5,2 Millionen Kubikmeter aus illegalen Quellen stammen, also zwei bis fünf Prozent.

Die Folgen wiegen schwer: für die Natur, die Herkunftsländer und die örtliche Bevölkerung, aber auch für Teile der Holzindustrie und für die Verbraucher. Großflächiger, unkontrollierter Einschlag führt zur Vernichtung von Biotopen und Artenvielfalt, zur Zerstörung der Waldböden und völliger Entwaldung. Die Herkunftsländer büßen Einnahmen aus Lizenzen und Steuern ein, wenn die Stämme unkontrolliert außer Landes gebracht werden. Die Anwohner verlieren Einnahmen. Die Weltbank beziffert derlei Verluste auf 10 bis 15 Milliarden Dollar pro Jahr. Zugleich geraten durch Handel mit illegalem und unter Wert gehandeltem Holz diejenigen Holzhändler, die gesetzeskonform handeln, sowie die nachhaltige Waldwirtschaft unter Druck. Und auch Verbraucher haben den Schaden, wenn sie Terrassendielen oder Gartenstühle kaufen, die aus anderem als dem auf dem Etikett erwähnten Holz bestehen – und reißen oder von Pilzen befallen werden.

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