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Grüne Gentechnik

Grüne Gentechnik
vom 29.05.2015

Grüne Gentechnik

Sojaöl mit gesünderen Fettsäuren, Hightech-Fritten mit weniger giftigem Acrylamid, nicht bräunende Äpfel, aufgepeppter Reis oder Impfstoffe in Bananen: Die neuen Produkte der grünen Gentechnik zielen direkt auf den Lebensmittelmarkt und die gesundheitsbewussten Verbraucher. Doch ihr Nutzen ist umstritten.

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Imagekampagne der Gentechniklobby oder humanitäres Projekt? Im Streit um den Goldenen Reis prallen die Fronten hart aufeinander. Umweltorganisationen wie Greenpeace nennen den gentechnisch veränderten Golden Rice schlicht „ein Forschungsprojekt mit viel PR“. Aus ihrer Sicht nutzt die neue Reissorte mit den goldgelben Körnern nur den großen Agrarkonzernen. Sie sei ein Türöffner, um der grünen Gentechnik mehr Akzeptanz auf dem Lebensmittelmarkt zu verschaffen. Die Befürworter dagegen halten die Genpflanze für eine segensreiche Erfindung – eine wirksame Waffe zur Bekämpfung von Mangelernährung in den Entwicklungsländern. Sie behaupten: Der Goldene Reis kann Millionen Menschenleben retten. Greenpeaceaussteiger Patrick Moore beschuldigt seine ehemaligen Mitstreiter und andere gentechnikkritische Organisationen sogar der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Mit ihrem Widerstand würden sie die Zulassung der vitaminreichen Genpflanze seit Jahren verhindern und damit in Kauf nehmen, dass unzählige Menschen erblinden oder sogar sterben.

Worum geht es genau? Vor allem in den armen Regionen Südostasiens und Afrikas, wo sich viele Menschen fast ausschließlich von weißem Reis ernähren, herrscht ein Mangel an Vitamin A. Besonders Kleinkinder und Schwangere sind von diesem „versteckten Hunger“ betroffen. Es fehlt ihnen nicht nur an Fisch, Fleisch oder Milchprodukten, sondern auch an Gemüse und Obst. Viele Pflanzensorten enthalten nämlich Betacarotin – ein Stoff, der etwa Karotten, Kürbissen oder Mais ihre orange-gelbe Farbe verleiht. Dieser Nahrungsbestandteil wird auch Provitamin A genannt, weil er vom Körper in Vitamin A umgewandelt werden kann. Eine unzureichende Versorgung führt zu Blindheit, schwächt das Immunsystem und erhöht das Risiko für tödliche Infektionen. Mit dramatischen Folgen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich mehrere hunderttausend Kinder, weil sie nicht genügend Vitamin A auf den Teller bekommen.

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