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Feinstaub

Feinstaub
vom 25.05.2017

Feinstaub

Bei Feinstaub werden fast überall in Deutschland die Grenzwerte eingehalten. Doch die Partikel bleiben gefährlich. Um sie weiter zu reduzieren, darf nicht nur auf den Auspuff geschaut werden.

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Ein Schnitzel staubt nicht. Zwar kann, wenn beim Panieren großzügig mit Mehl hantiert wird, eine Wolke aufsteigen. Aber Feinstaub? Nicht beim Essen, meint man. Trotzdem hätten Schnitzel & Co. das Zeug, die Probleme mit schädlichem Schmutz in der Luft entscheidend zu lindern – indem weniger gegessen wird. Mäßigung beim Fleischverzehr wäre „die mit Abstand wirkungsvollste Maßnahme zur Reduzierung des Feinstaubs“, sagen Wissenschaftler wie Rainer Friedrich von der Uni Stuttgart. Lautet die Devise also: „Weniger Fleisch für saubere Luft“?

Dass Feinstaub und Fleisch miteinander zu tun haben sollen, verblüfft zunächst. Die Partikel, die vielerorts die Luft verschmutzen, werden mit dem Verkehr in Verbindung gebracht, allen voran mit Dieselmotoren. Bis vor einigen Jahren waren diese tatsächlich die schlimmsten Dreckschleudern. Inzwischen aber regeln zunehmend strengere Normen den Abgasausstoß; bei neueren Fahrzeugen sind Abgasfilter Standard; und aufgrund von Umweltzonen dürfen ältere Diesel-Pkw viele Innenstädte nicht mehr befahren. Der Verkehr verursacht heute nicht einmal mehr halb so viel Feinstaub wie 1990. Trotzdem ist er immerhin noch für ein Viertel bis ein Drittel der Feinstaubmenge in deutschen Großstädten verantwortlich.

Doch Feinstaub kommt auch aus anderen Quellen. Direkt wird er etwa von Schornsteinen großer Kraftwerke ausgestoßen, von Hüttenbetrieben, Baumaschinen und Binnenschiffen; er entsteht beim Umschlag von Schüttgut wie Splitt oder Sand – und beim Heizen von Gebäuden und Wohnungen, das in Großstädten ebenfalls für 25 bis 35 Prozent der Feinstaubmenge verantwortlich ist. Auf natürliche Weise entsteht Feinstaub bei Vulkanausbrüchen, durch Bodenerosion oder durch Waldbrände.

Daneben aber gibt es auch sogenannten „sekundären“ Feinstaub, Partikel also, die in der Luft aus Gasen wie Stickoxiden und Ammoniak entstehen. Letzterer wird vor allem in der Landwirtschaft frei – bei der Tierhaltung oder beim Düngen der Felder, zum Beispiel mit Gülle. Der Agrarsektor ist in Deutschland für 22 Prozent der Feinstaubemissionen verantwortlich. Um die Menge zu senken, empfehlen Fachleute verschiedene Maßnahmen: Schweine- und Hühnerställe sollen mit Filtern für die Abluft versehen, Gülle nicht mehr oberflächlich auf dem Feld verteilt, sondern in den Boden eingearbeitet werden. Nicht zuletzt aber entstünde weniger Ammoniak auch, wenn nicht mehr so viel Fleisch gegessen und deshalb weniger Tiere gehalten würden: Die Maßnahme sei „sehr viel effektiver“ als viele andere, hieß es 2012 in einem Fachbericht über „Strategien zur Verminderung der Feinstaubbelastung“ (Particle Reduction Strategies, kurz PAREST).

Dass solche Strategien entwickelt werden, hat Gründe: Dreckige Luft und nicht zuletzt Feinstaub schadet der Gesundheit. Partikel (englisch Particular Matter, PM) mit Abmessungen bis etwa zehn Mikrometer (PM 10) gelangen in Nasenhöhlen und Bronchien; Partikel von unter 2,5 Mikrometer (PM 2,5) bis in die Lungenbläschen; noch kleinere, sogenannte ultrafeine Partikel sogar bis in die Blutbahn. Folge können Reizungen der Schleimhaut, Entzündungen von Luftröhre und Bronchien oder Asthma sein. Auch andere Erkrankungen von Atemwegen, Herz und Kreislauf werden mit Feinstaub in Verbindung gebracht. An der Oberfläche der Partikel können zudem Schwermetalle und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) angelagert werden, die Krebs auslösen. Partikel, die bei der Verbrennung von Diesel entstehen, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Juni 2012 als „sicher krebserregend“ eingestuft. Generell sieht die Organisation schmutzige Luft als größte umweltbedingte Gesundheitsgefahr an. Ihren Schätzungen zufolge starben allein 2012 weltweit sieben Millionen Menschen an Erkrankungen, die durch dreckige Luft verursacht waren.

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