Startseite
Nur nicht nachgeben

Der Kampf ums ewige Eis
vom 01.10.2013

Nur nicht nachgeben

Öl und Gas im Wert von vielen Milliarden Euro, wertvolle Fischgründe, attraktive Seefahrtsrouten, globale Machtspiele - beim Streit um Arktis und Antarktis stehen die Verlierer schon fest: Eisbären, Robben, Pinguine und die letzten indigenen Völker im Polarkreis.

22
Im Zeitalter von Flugzeug und Internet ist die Erde klein geworden. Selbst exotische Orte wie Singapur oder Rio de Janeiro liegen nur wenige Flugstunden entfernt - oder ein paar Mausklicks. Einzig die eisigen Polargebiete im äußersten Norden und Süden bergen noch Geheimnisse.

Wer schon mal dort war, gerät ins Schwärmen. Auch Wissenschaftler wie Professor Dr. Antje Boetius sind davor nicht gefeit. Die Mikrobiologin vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven (AWI) hat mehrfach an Expeditionen des bundeseigenen Forschungseisbrechers Polarstern in der Arktis teilgenommen. „Wenn Sie mit dem Schiff in die Eiswüste der Inneren Arktis hineinfahren, wird es plötzlich ganz still“, erzählt sie: „Da gibt es kaum Wind und keine Wellen, keinen Schiffsverkehr, keine Flugzeuge; da ist einfach nichts außer der Eislandschaft.“ Von ganz ähnlichen Erfahrungen berichtet Boetius’ Kollege Dr. Stefan Hain. Der Leiter der Stabstelle Umweltpolitik beim AWI hat insgesamt vierzehn Monate in der Antarktis verbracht. „Sie fahren da hin und sind von den Eindrücken überwältigt“, sagt Hain. An nur wenigen Orten auf der Erde sei man derart von ursprünglicher Natur umgeben.

Doch mit dem Frieden im Ewigen Eis könnte es bald vorbei sein. Besonders im Nordpolarmeer führt der weltweite Klimawandel zum Rückgang der Meereisbedeckung. Die Begehrlichkeiten der Anrainer sind groß, sie hoffen auf Bodenschätze unter dem Meeresgrund und wollen die Region für neue Schifffahrtsrouten nutzen. Rund 20.000 Kilometer weiter südlich geht der Streit um Fischereirechte in den letzten weitgehend unberührten Meeresgebieten der Antarktis. Die Fronten sind verhärtet, Verhandlungen auf internationaler Ebene mussten wieder und wieder ergebnislos vertagt werden.

Umweltverbände wie Greenpeace fordern deshalb entschlossenes Handeln von der Weltgemeinschaft. „Der Klimawandel wird vor allem durch die Verbrennung fossiler Energien hervorgerufen. Die Ölindustrie ist dabei, sich die Arktis zu erschließen. Mit dem Öl, das sie dort finden, werden sie den Klimawandel weiter anheizen“, sagt der Biologe Jörg Feddern von Greenpeace in Hamburg. Die Umweltschützer setzen sich dafür ein, das arktische Öl im Boden zu lassen. Rund um den Nordpol wollen sie ein Schutzgebiet einrichten, wo jegliche industrielle Nutzung ausgeschlossen ist. Am Südpol kritisieren die Aktivisten vor allem den wachsenden Fischfang. Unter anderem geht es um ein Netzwerk von marinen Schutzgebieten und wirksamere Kontrollen der bestehenden internationalen Konventionen zum Schutz der Meerestiere.

Die Pole - dem unbedarften Betrachter erscheinen die eisbedeckten Regionen im äußersten Norden und Süden der Erde wie Zwillinge. Doch die Pole sind grundverschieden. Während die Antarktis im Wesentlichen ein Kontinent ist, handelt es sich bei der Arktis um eine Eismasse im Meer. Das hat weitreichende Konsequenzen. Für die Arktis gilt das internationale Seerecht. Die fünf Anrainer USA, Kanada, Russland, Norwegen und Dänemark (über Grönland) dürfen danach Territorialansprüche auf das Gebiet stellen. In der Antarktis dagegen ist umstritten, welche Staaten Gebiete für sich beanspruchen können. Durch den 1961 geschlossenen Antarktis-Vertrag wurde die Region auf unbestimmte Zeit zum gemeinsamen Erbe der Menschheit erklärt.

Inhaltsverzeichnis