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Endzeit oder Aufbruch?

40 Jahre Club of Rome
vom 01.01.2012

Endzeit oder Aufbruch?

Vor 40 Jahren erschien der Bericht des Club of Rome Die Grenzen des Wachstums. Das Buch sollte ein Weckruf an die Menschheit werden. Es wurde ein Bestseller, millionenfach verkauft und in 37 Sprachen übersetzt. Die erhofften politischen Konsequenzen blieben allerdings weitgehend aus. Dennoch besteht kein Grund zu resignieren.

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Frühjahr 1972: Nahezu zeitgleich erscheint in zwölf Sprachen ein Buch, das die Welt verändert. Die Grenzen des Wachstums, Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Die Autoren, eine Forschergruppe am amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT), wollen die Weltöffentlichkeit mit einem publizistischen Paukenschlag aufrütteln, aufwecken und zum Handeln aufrufen.

Schon im Klappentext heißt es: „Unser Bevölkerungs- und Produktionswachstum ist ein Wachstum zum Tode.“ Vorgelegt wurde ein schmales Büchlein mit gerade einmal 180 Seiten; vollgestopft mit Tabellen, Grafiken und ausführlichen Beschreibungen sowie wissenschaftlichen Simulationsmodellen. Daneben starke Metaphern wie etwa ein französischer Kinderreim, der die zerstörerische Dynamik exponentiellen Wachstums beschreibt: „In einem Gartenteich wächst eine Lilie, die jeden Tag auf die doppelte Größe wächst. Innerhalb von dreißig Tagen kann die Lilie den ganzen Teich bedecken und alles andere Leben in dem Wasser ersticken. Aber ehe sie nicht mindestens die Hälfte der Wasseroberfläche einnimmt, erscheint ihr Wachstum nicht beängstigend; es gibt ja noch genügend Platz, und niemand denkt daran, sie zurückzuschneiden, auch nicht am 29. Tag; noch ist ja die Hälfte des Teiches frei. Aber schon am nächsten Tag ist kein Wasser mehr zu sehen.“

Keimzelle des Club of Rome war ein Kreis von Menschen aus Politik, Industrie und Wissenschaft. Auf Einladung des italienischen Kaufmanns Aurelio Peccei trafen sie sich 1968 in Rom, um über die Zukunft der Menschheit zu beraten. „Peccei war ein Humanist. Die globalen Probleme wie Bevölkerungswachstum, Umweltverschmutzung, Hungerkatastrophen und soziale Spannungen bedrückten ihn“, erinnert sich Peter Milling. Der emeritierte Professor für Betriebswirtschaftslehre aus Mannheim zählt zum Kreis der Autoren von Die Grenzen des Wachstums. Mit der Leitung der 17-köpfigen Forschergruppe am Massachusettes Institute of Technology hatte der Club of Rome den US-Ökonomen Dennis L. Meadows beauftragt. Das Projekt wurde durch die Stiftung Volkswagenwerk gefördert.

„Unsere Studie war der erste Versuch, die zum Teil durchaus bekannten Probleme wissenschaftlich fundiert zusammenzufügen“, sagt Milling. Mithilfe computergestützter Modellrechnungen wurden fünf wichtige Trends in einem Weltmodell aggregiert: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Rohstoffknappheit und die Zerstörung von Lebensräumen. Die am MIT entwickelte Methode ‚System Dynamics' bildete die wissenschaftliche Grundlage der Berechnungen. Ergebnis der Analyse: Die absoluten Wachstumsgrenzen der Erde werden im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht. Ein Kollaps droht. Milling: „Man kann eben nicht einfach auf andere Planeten auswandern.“

Im Rahmen ihrer Studie hätten Meadows und sein Team dynamische Prozesse erstmals anhand neuster Computertechnik abgebildet, ordnet Prof. Dr. Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance Berlin die Leistung der Wissenschaftler ein: „Es war der Startschuss für alle folgenden mathematisch computergestützten Modelle und somit ein wichtiger Baustein für Simulationsmodelle dieser Art.“

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