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Amselsterben 2019 übertrifft 2018: So helfen Sie den Gartenvögeln

Autor: Online-Redaktion | Kategorie: Freizeit und Technik | 21.08.2019

Amselsterben 2019 übertrifft 2018: So helfen Sie den Gartenvögeln
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / MabelAmber)

Schlechte Nachrichten für die Amsel: Die tropische Virus-Epidemie, die den Drosseln bereits 2018 zugesetzt hatte, wütet auch in diesem Sommer wieder. So können Sie den Vögeln helfen.

Wie der Naturschutzbund (NABU) und andere Quellen melden, wiederholt sich das Amselsterben des letztjährigen Hitzesommers: Auch 2019 bedroht das tropische Usutu-Virus den meistverbreiteten Gartenvogel wieder. Seit Jahresbeginn haben Menschen dem NABU deutschlandweit über 1.300 Verdachtsfälle gemeldet, die über 2.500 kranke, meist bereits verendete Vögel betrafen.

2018 gingen zwischen Jahresbeginn und Augustmitte lediglich 800 Meldungen ein, im ganzen Jahr waren es über 13.000. Noch wie war die Epidemie so ausgeprägt. Der Höhepunkt des Vogelsterbens wird in den kommenden Wochen erwartet.

Höhepunkt des Vogelsterbens steht noch bevor

Der NABU bittet dringend darum, kranke oder verendete Tiere zu melden oder sogar zur Untersuchung einzusenden. Die Tierkörper werden von Tropenmedizinern des Bernhard-Nocht-Instituts (BNI) untersucht, um nachzuweisen, ob und wie stark sich das Virus ausbreiten konnte.

Stechmücken übertragen das Usutu-Virus auf Vögel, nachgewiesen wurde es in Deutschland erstmals 2011. Inzwischen gab es in allen Bundesländern Fälle des wärmebedürftigen Virus. Wärmere Regionen sind besonders betroffen, der trockenheiße Sommer 2018 begünstigte deshalb die Ausbreitung und das Vogelsterben.

2019 war bislang genauso heiß, dabei aber feuchter und mückenreicher als das Vorjahr, die Voraussagen für die Amseln stehen also schlecht. Die NABU-Experten halten es für möglich, dass das diesjährige Vogelsterben noch stärker ausfallen wird. Die meisten Usutu-Fälle treten im August und September auf, 2018 entfielen fast alle Meldungen auf diese Monate.

Leider können Usutu-Infektionen bei Vögeln weder verhindert noch behandelt werden.

Weniger Wintervögel in unseren Gärten

Grundsätzlich sind in Gärten und Parks bundesweit immer weniger Wintervögel zu sehen. Zu diesem Ergebnis kam die "Stunde der Wintervögel" 2019. Die Ergebnisse wurden bereits im Frühjahr bekanntgegeben.

Für die Tierzählung hatten fast 138.000 Menschen Vögel an den Landesbund für Vogelschutz (LBV) und den Naturschutzbund Deutschland (NABU) gemeldet. "Das ist ein neuer Rekord und zeigt, wie groß das Interesse an der heimischen Natur ist. Darüber freuen wir uns sehr", so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. "Gut für unsere Vögel wäre es auch, wenn immer mehr Menschen ihre Gärten als Mini-Naturschutzgebiete sehen und sie vogelfreundlich gestalten."

Gewinner und Verlierer bei den Wintervögeln

Weniger erfreulich sind die Details der Vogelzählung. Die Gesamtzahl der pro Garten gemeldeten Vögel liegt mit im Schnitt nur 37 unter dem langjährigen Mittel. Sie ist die zweitniedrigste Zahl nach dem Rekordminus von 34 im Jahr 2017. 2011 wurden noch fast 46 Vögel pro Garten gemeldet.

Der Grund für den Negativtrend waren laut NABU die milden Winter der vergangenen Jahre: In den schneefreien Wäldern finden die Vögel genug zu fressen und kommen deshalb nicht in die Gärten. "Ob auch ein tatsächlicher Rückgang an Vögeln die Ursache sein könnte, muss in Zukunft aufmerksam verfolgt werden."

Unter den meist beobachteten Wintervögel belegte der Haussperling auch 2019 den ersten Platz, danach folgten Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise – und die Amsel.

Nistkästen – auch im Winter wichtig

Wichtig für Vögel sind naturnah gestaltete Gärten. Nistkästen spielen da eine wichtige Rolle, auch im Winter. Ob Meisen, Kleiber, Eichhörnchen oder Schmetterlinge – selbst die wetterbeständigsten Outdoor-Profis freuen sich über eine warme Schlafstube. Manchem Vogel könne die Nisthilfe im Winter sogar das Leben retten, so die Vogelexperten vom NABU.

Die Gefahr der Übertragung von Parasiten durch alte Nester sei geringer als der Nutzen eines warmen Unterschlupfes für die Tiere. Im Sommer sind Brutkästen wichtig, da Vögel immer seltener einen geeigneten Platz zum Nisten finden.

Acht Tipps rund um den Nistkasten 

  1. Jede Vogelart hat ihre eigenen Vorlieben: Meisen bevorzugen einen Kasten mit kleinem Einflugloch, halboffene Kästen werden zum Beispiel von Bachstelzen oder Grauschnäppern gerne angenommen.
  2. Nistkästen ohne Ansitzstange sind besser, so haben Katzen und Marder keine Chance.
  3. Die beste Höhe zum Anbringen der Kästen ist zwei bis drei Meter über dem Boden.
  4. Das Einflugloch sollte nicht zur Wetterseite (= Westen) ausgerichtet sein. Auch direkte Sonne (= Süden) ist schlecht. Laut NABU sind Osten und Südosten ideal.
  5. Es empfiehlt sich, Nistkästen nach der Brutsaison im Spätsommer und nochmals im Februar sauber zu machen.
  6. Beim Säubern sollten Sie Handschuhe tragen und den Kasten am besten nicht mit ins Haus nehmen, denn in den Kästen können sich Parasiten wie Milben und Flöhe befinden.
  7. Während der Brutzeit ist es wichtig, sich von den Kästen fernzuhalten.
  8. Unter dem Titel „Wohnen nach Maß“ gibt es eine 48-seitige NABU-Broschüre mit detaillierten Anleitungen. Man kann sie für zwei Euro plus Versandkosten im NABU-Shop bestellen.

So kann jeder den Vögeln helfen

Naturschützer empfehlen, die Vögel ganzjährig zu füttern. Aber welcher Vogel mag was am gedeckten Tisch? "Nicht alle picken dasselbe", sagt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. Nur wer die Vorlieben der Besucher kennt, hat die Hütte voll und kann auch mal außergewöhnliche Gäste verwöhnen. "Ornithologen unterscheiden zwischen Weichfutter-Liebhabern und den Körner-Knackern", erklärt Goris. "Am besten stellen Sie das Vogel-Menü selbst zusammen." Das sind die Tipps der Deutschen Wildtier Stiftung:

Amsel, Drossel, Zaunkönig, Star, Heckenbraunelle und Rotkehlchen sind reine Weichfutterfresser. Sie suchen sich ihre Nahrung normalerweise am Boden. Ihnen ist mit grobem Körnerfutter nicht geholfen. Dafür kommen sie im Nu angeflogen, wenn reife Äpfel und Birnen, Rosinen, Haferflocken, getrocknete Beeren von Holunder, Weißdorn, Eberesche oder Liguster aufgetischt werden. Echte Hausmannskost sind in Öl getränkte Haferflocken!

Meisen, Spechte und Kleiber sind die Flexiblen unter den Weichfutterfressern: Sie stellen sich im Winter auf Körnernahrung um. Wenn sie keine Insekten finden, picken sie auch Sonnenblumenkerne, Hanf- oder Mohnsamen.

Buchfink, Grünfink, Spatz, Dompfaff, Zeisig und Goldammer erkennt man am Schnabel und sieht sofort, was ihre Lieblingsspeise ist: Die Schnäbel sind kurz und kompakt und damit ideal, um Körner zu knacken. Ist die Körnerbude gut sortiert, dürfen schwarze Sonnenblumenkerne, kleingehackte Haselnüsse, Hanfsamen, Walnüsse und Bucheckern nicht fehlen. Auf Empfehlung des Küchenchefs werden auch Fruchtstände von Hirse, Mohn und Leinsamen gereicht.

Was nicht in den Schnabel darf: altes Brot, Weißbrot, gesalzene Essensreste.

Natürliche Gärten besser als Füttern

Besser als jedes Vogelfutter ist ein ökologischer, natürlicher Garten. Mehr Wildwuchs, Sträucher, die nicht zurückgeschnitten werden, sondern wuchern dürfen, Laubholzhecken und eine gesunde Mischung aus Obstbäumen und Kräutern – dann sind Vögel gerne im Garten zu Gast!

Autoren: B. Wintermantel, L. Wirag

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