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Es kommt ganz dicke

Übergewicht
vom 29.01.2016

Es kommt ganz dicke

Experten schlagen Alarm: Nicht nur in Deutschland, sondern europa- und weltweit steigt die Zahl der Menschen mit Übergewicht seit Jahren. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Mediziner sehen in dieser Entwicklung die größte Herausforderung für die öffentlichen Gesundheitssysteme und fordern die Politik zum Handeln auf. Doch den internationalen Empfehlungen zur Prävention stehen kommerzielle Interessen entgegen.

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Deutschland hat ein dickes Problem: Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der erwachsenen Bevölkerung schleppt zu viele Kilos mit sich herum, Männer häufiger als Frauen. Noch schwerwiegender als die Zahlen des Statistischen Bundesamts sind jene der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1), die gar auf 60 Prozent Übergewichtige oder Adipöse bei den 18- bis 79-Jährigen kommt. Welche Zahlen man auch zugrunde legt, der Trend ist klar: „Übergewicht ist das neue Normal. Wir haben uns an den Anblick übergewichtiger Menschen gewöhnt“, mahnt Professor Dr. Martin Wabitsch, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG).

Doch wann gilt jemand als übergewichtig? Als Maßstab zieht die Weltgesundheitsorganisation WHO den Body-Mass-Index (BMI) heran. Der berechnet sich nach der Formel: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Meter zum Quadrat (kg/m²). Eine 1,65 m große und 68 kg schwere Frau hat also einen BMI von 24,9. Damit erreicht sie gerade noch das, was die WHO als Normalgewicht einstuft. Ab einem BMI von 25 beginnt Übergewicht, bei einem BMI von 30 bis 40 spricht man von Adipositas, also Fettsucht oder krankhaftem Übergewicht, darüber hinaus von extremer Fettsucht.

Die Deutschen stehen mit ihren gewichtigen Werten nicht allein da: Laut Europäischem Gesundheitsbericht 2015 der WHO sind 59 Prozent der in den Mitgliedsstaaten lebenden Menschen übergewichtig oder gar adipös – Tendenz steigend. Weltweit bringen derzeit 2,1 Milliarden Menschen, also fast jeder Dritte, (viel) zu viel auf die Waage – in Industrienationen ebenso wie in Entwicklungsländern. Hält der Trend an, so schätzt die WHO, werden es 2025 bereits 2,7 Milliarden sein – eine Steigerung um ein Drittel in weniger als zehn Jahren.

Die Zahlen sind alarmierend: Für den Einzelnen mögen überflüssige Kilos auf den Rippen ein ästhetisches Ärgernis sein. Gesellschaftlich gesehen sind sie ein ausuferndes Problem, Experten sprechen gar von einer Epidemie: „Adipositas ist zur größten Herausforderung für das öffentliche Gesundheitswesen weltweit geworden“, heißt es im Bericht zum Ersten Welt-Adipositas-Tag 2015. Und das internationale Forschungsprojekt „Global Burden of Disease Study“ kommt zu dem Ergebnis, dass ungesunde Ernährung, Bluthochdruck, Übergewicht und Tabakkonsum sowohl in Deutschland als auch weltweit zu den wichtigsten Ursachen für Krankheit und vorzeitigen Tod zählen.

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