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Mineralölverordnung

Mineralölverordnung
vom 20.06.2017

Mineralölverordnung

Seit mehreren Jahren finden wir in unseren Tests teils sehr stark erhöhte Gehalte an Mineralölbestandteilen. Die gesättigten und aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH bzw. MOAH) gelangen auf verschiedenen Wegen ins Lebensmittel.

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Entwurf greift zu kurz

Ein Eintragsweg sind Altpapierverpackungen. An dieser Stelle setzt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an und hat Anfang März 2017 einen neuen Entwurf zur geplanten 22. Verordnung zur Änderung der Bedarfsgegenständeverordnung – der Einfachheit halber auch „Mineralölverordnung“ genannt – veröffentlicht.

Auffällig ist, dass das Ministerium im Vergleich zur vorigen Version dort keinen Grenzwert mehr für MOSH festlegt. Auf Nachfrage schreibt das BMEL, dass diese nicht berücksichtigt würden, da „eine analytische und definitorische Abgrenzung akzeptabler MOSH (z. B. bestimmte zugelassene Lebensmittelzusatzstoffe) von nicht erwünschten MOSH-Anteilen derzeit kaum machbar ist“. „Akzeptable“ MOSH? Im Körper verhalten sich die gesättigten Mineralölbestandteile alle gleich, egal auf welchen Wegen sie ins Lebensmittel gelangen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) reichern sich diese nämlich im Körper an. Aus Tierversuchen sei außerdem bekannt, dass MOSH zu Schäden z. B. in der Leber führen könnten.

Eine Konzentration ausschließlich auf MOAH hat eine Sprecherin des BMEL schon im Voraus zum neuen Entwurf auch damit begründet, dass MOSH indirekt durch die Begrenzung des Übergangs an MOAH miterfasst würden, da diese in Mineralölen in der Regel in bestimmten Verhältnissen zueinander vorkämen. Das können wir so nicht bestätigen. In den für die ÖKO-TEST-Ausgabe von Juni 2017 getesteten Kokosprodukten hat das Labor nur in einem Produkt MOAH nachgewiesen, in elf anderen aber nur MOSH. Auch bei den veganen Brotaufstrichen in der Mai-Ausgabe haben wir nur in vier von 17 Produkten neben MOSH auch MOAH gefunden. Nur für MOAH einen Grenzwert festzulegen, ist für den Großteil der Produkte alles andere als zielführend.

Zumal auch der besondere Fokus auf MOAH, unter denen auch krebserregende Verbindungen sein können, nur Augenwischerei ist. Denn der Grenzwert im aktuellen Entwurf gilt nur, wenn MOAH aus der Altpapierverpackung auf das Lebensmittel übergegangen ist. Andere Eintragswege wie zum Beispiel Verunreinigungen bei der Produktion bleiben unberücksichtigt. Verbraucherschutz sieht anders aus. Dem Verbraucher ist es schlichtweg egal, wie das Mineralöl ins Essen gelangt. Das BMEL schreibt, es habe sich „zunächst der Eintragsquelle ‚Lebensmittelbedarfsgegenstände aus Altpapierstoff‘ angenommen, da hierfür eine ausreichende Informations- und Regelungsgrundlage vorlieg[e]“. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, die Bemühungen gehen aber nicht weit genug. Den Eintrag von Mineralölbestandteilen über Altpapierverpackungen haben die Hersteller in den vergangenen Jahren schon stark reduziert. Andere Quellen rücken deshalb in den Vordergrund. Und diesen Eintragswegen widmet sich noch nicht einmal ein Entwurf, der eventuell irgendwann in einer Verordnung mündet, die dann auch tatsächlich in Kraft tritt.

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