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Wie wollen wir leben?

Stadt der Zukunft
vom 01.05.2012

Wie wollen wir leben?

Werden wir in High-Tech-Siedlungen leben und in fliegenden Autos umherdüsen? Oder wird das Gesicht zukünftiger Städte von Gemüseäckern auf den Dächern, Heerscharen an Fahrradfahrern und großen innerstädtischen Naherholungsgebieten geprägt sein? Tatsache ist: Die Zukunft des Wohnens hängt stark davon ab, was wir heute organisieren und bauen.

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Wir leben im „Jahrtausend der Städte“ (Kofi Annan). Erstmals wohnt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, Tendenz schnell steigend. Forscher und Politiker sprechen derzeit gerne von der Stadt als „lebendem Labor“ für die Zukunft. Denn erfahrungsgemäß entstehen in den Städten die meisten Innovationen, die auch für die Landbevölkerung wichtig werden. Viele europäische Städte haben dabei vergleichsweise gute Ausgangsbedingungen, um die Zukunft von Wohnen und Arbeiten positiv zu gestalten, denn sie stehen unter weniger extremem Druck als etwa asiatische Metropolen. Während sich in diesen Megastädten besonders dringlich die Frage stellt, wie der rasante Ansturm von immer mehr Menschen bewältigt werden soll, ohne dass das Leben unerträglich wird, stehen in Europa zum Teil andere Herausforderungen im Vordergrund.

Prognosen zur Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt stehen auf sehr wackeligen Beinen. Deshalb können wir heute nicht wissen, wie wir in Zukunft arbeiten werden, und wie es um den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft bestellt sein wird - Fragen, die die Stadt der Zukunft entscheidend prägen werden. Eine Reihe von Herausforderungen sind jedoch seit Langem bekannt, wie der demografische Wandel mit der insgesamt deutlich älter werdenden Bevölkerung oder der Klimawandel. Viele Städte werden (weiter) an Bevölkerung verlieren, andere werden oder bleiben Wachstumspole.

Über wesentliche Zielvorstellungen herrscht bei Stadtplanern in der Theorie seit Jahrzehnten Einigkeit: Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Erholung sollen in gut durchmischten Vierteln nah beieinander liegen. Energieverbrauch, Luftverschmutzung, CO2-Ausstoß und Lärmbelastung müssen sinken. In den Städten sollen alle Altersgruppen und sozialen Schichten gut vertreten sein.

In der Realität gab und gibt es natürlich auch vielerorts Stillstand und Entwicklungen, bei denen Autoverkehr, Fluglärm und die räumliche Trennung sozialer Gruppen weiter zunehmen. Klar ist aber: Durch die Konzentration von Einwohnern und Angeboten bringen Städte große Spar- und Umweltschutzpotenziale mit sich. Wenn es jedoch nicht gelingt, insbesondere junge Familien davon abzuhalten, ins Umland abzuwandern, könnten diese Chancen erstickt werden: vom damit verbundenen Pendleraufkommen, weiterem Zubetonieren fruchtbarer Böden und der Zerstörung von Landschaften und Lebensräumen.

Unsere Mobilität, die Frage, wie wir in Zukunft von A nach B kommen, wird die Städte besonders sichtbar prägen. Verbringen wir im Jahr 2025 weiter ähnlich viel oder gar noch mehr Zeit im Stau und bei der Parkplatzsuche, leiden unter Luftverschmutzung und Lärm? Oder ergreifen wir die Chance, jetzt schon sinnvolle Änderungen anzustoßen? Frühere Erfindungsansätze wollten das Platzproblem auf der Straße lösen, indem man die Autos in die Luft abheben lässt. Heute steht das Elektroauto im Zentrum vieler Überlegungen. Doch ob es möglich und überhaupt wünschenswert ist, die Flotte an Autos in Privatbesitz einfach eins zu eins durch eine gleich große oder gar noch größere Flotte an Elektroautos zu ersetzen, ist mehr als fraglich.

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