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Ein schwarzes Kapitel

Kohleabbau
vom 01.01.2013

Ein schwarzes Kapitel

Was ist die Energie der Zukunft? Kohle! Zynisch? Nein, Realität. Jetzt warnt selbst die wirtschaftsliberale Internationale Energieagentur vor der dadurch unausweichlichen Klimakatastrophe. Doch schon heute sorgt der Abbau des schwarzen Golds für schwerste Umwelt- und Gesundheitsschäden.

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Rund 15 Dollar kostet in Kolumbien eine zweistündige Bustour durch den weltgrößten Kohletagebau El Cerrejón. Doch dessen Dimension würde nur bei einem Rundflug wirklich deutlich, denn mit 690 Quadratkilometern ist das Konzessionsgebiet der Mine fast so groß wie der Stadtstaat Hamburg. 35 Millionen Tonnen Steinkohle wurden hier 2011 gefördert, bald werden es gut 40 Millionen sein. Die 60.000 Kolumbianer, die in diesem Gebiet meist von der Landwirtschaft leben, leiden unter der Umweltverschmutzung und den erzwungenen Umsiedlungen. Künftig wollen die Betreiber von Cerrejón - zu gleichen Teilen der australisch-britische Konzern BHP Billiton, der britisch-südafrikanische Konzern Anglo American und die Schweizer Xstrata-Gruppe - sogar einen Fluss auf 26 Kilometern Länge umleiten, was zu massiven Veränderungen des Grundwasserspiegels führen, aber die Förderung von 60 Millionen Tonnen im Jahr ermöglichen würde. Zum Vergleich: 2011 verbrauchte Deutschland 56 Millionen Tonnen Steinkohle.

Doch nicht nur Kolumbien will beim Abbau des schwarzen Golds dramatisch zulegen. Nachdem der Kohleverbrauch bereits im vergangenen Jahrzehnt um fast 50 Prozent wuchs, rechnet die Internationale Energieagentur (IEA) global von heute bis 2020 mit einem weiteren Plus von 27 Prozent. Diese Organisation, in der die Industriestaaten ihre Energiepolitik abstimmen, erwartet, dass die Gruben bis 2035 sogar fast 60 Prozent mehr liefern, falls die Welt weiter wirtschaftet wie bisher. Ab 2025 würde Kohle das Erdöl als wichtigsten Energierohstoff ablösen. Zu diesem Machtwechsel käme es nur dann nicht, wenn die Regierungen der Welt alle ihre Klimaschutzpläne umsetzen und damit den Zuwachs der Kohle, bei deren Verbrennung viel klimaschädliches Kohlendioxid anfällt, bremsen würden. Doch selbst dann käme sie bis 2020 auf ein Plus von 18 Prozent, würde danach aber nur noch geringfügig zulegen.

Dabei ist nicht nur die Kohleverbrennung, sondern schon ihre Förderung weltweit ein schmutziges Geschäft. Staub, giftige Gase und Chemikalien gefährden die Gesundheit der Arbeiter und der Anwohner der Gruben, belasten die Gewässer, das Grundwasser und die Böden. In der Dritten Welt werden Arbeitnehmerrechte verweigert und Gewerkschafter verfolgt, Korruption spielt eine traurige Rolle, das Unfallrisiko in den Betrieben ist hoch und längst nicht alle Mitarbeiter sind über die Firma ausreichend versichert. Das Risiko tragen die Betroffenen und ihre Familien.

Übel geht es bislang auch in China zu, das für die Hälfte der globalen Kohleförderung sorgt. Linfen, die Stadt im Herzen des größten chinesischen Kohlereviers, galt 2007 als schmutzigste Stadt der Welt, bis die Verwaltung strengere Auflagen durchsetzte. Dennoch wird die Belastung in den Bergbauregionen zunehmen. Sogar wenn Peking seine Klimaschutzpläne umsetzt, wird nach der neuen Prognose der IEA die Kohleförderung bis 2020 um ein Fünftel steigen, um danach auf dem erreichten Niveau zu verharren. Würden diese Pläne nicht realisiert und die Minen expandieren ungebremst, nimmt die Kohleförderung bis 2020 sogar um ein Drittel zu. Da die Gruben große Mengen Wasser benötigen, warnt Greenpeace bereits vor einer Dürre im Einzugsbereich des Gelben Flusses.

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