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ÖKO-TEST April 2012
TestBlumenerde, torffrei
Der Mörder ist immer der Gärtner
Blumenerde, torffrei



Ein Wunder muss also her, um die weitere Zerstörung der Moore für Gemüseanbau, für Alpenveilchen auf der Fensterbank und Birken aus der Baumschule zu stoppen. Und dieses Wunder gibt es vielleicht: Torfmoos-Bio-Masse. Zum Hintergrund: Bei dem in Blumenerden enthaltenen Torf handelt es sich um Hochmoortorf. Hier unterscheidet man je nach Zersetzungsgrad Weißtorf, Brauntorf und Schwarztorf. Weißtorf liegt nahe der Oberfläche. Er ist hell, die Struktur der Pflanzen ist noch zu erkennen. Darunter liegt der stärker zersetzte Brauntorf. Schwarztorf ist noch weiter zersetzt und daher dunkel. In Blumenerden steckt vor allem Weißtorf.

Der besteht aus leicht zersetzten Torfmoosen. Und hier liegt die Idee: Wenn leicht zersetzte Torfmoose so unschlagbare chemische und physikalische Eigenschaften für das Pflanzenwachstum besitzen, haben dann frisch geerntete Torfmoose dieselben Eigenschaften?

Die weltweit führende Forschungsgruppe, die sich mit dem Anbau von Torfmoosen auf Hochmoorgrünland beschätigt, gehört zum Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern, unter anderem dem Torfwerk Moorkultur Ramsloh, betreibt die Forschungsgruppe zwei Versuchsfelder. Und dabei kommt den Forschern die Fähigkeit der Torfmoose zugute. Denn wenn man Torfmoose in einen Zentimeter kleine Fragmente zerkleinert, wachsen aus den einzelnen Teilen wieder neue Torfmoose. Auf eine vernässte Fläche aufgebracht, wächst so in relativ kurzer Zeit Torfmoos. Wohlgemerkt: Hier wird kein Torf geerntet, sondern nur die Torfmoose, die oben wachsen. Die Greifswalder Forschergruppe hat errechnet, dass bei einer jährlichen Ernte von 100 Kubikmetern pro Hektar (etwa 3 Tonnen Trockenmasse pro Hektar und Jahr) eine Fläche von 30.000 Hektar (+ 6.000 Hektar Infrastruktur) notwendig wäre, um den Bedarf an Weißtorf in Deutschland (3 Millionen Kubikmeter pro Jahr) durch Torfmoos-Bio-Masse zu ersetzen. Allein in Niedersachsen gibt es 145.000 Hektar Hochmoorgrünland, auf dem Torfmoose angebaut werden könnten. Dass Torfmoosfrischmasse Torf ersetzen kann, haben nicht nur Anzuchtversuche im Labor mit Chinakohl, Begonie und Alpenveilchen bewiesen: Das Rosengut Langerwisch bei Berlin hat im Jahr 2011 in einem Versuch 8.000 Weihnachtssterne in einer Mischung aus 80 Prozent Torfmoos-Bio-Masse, 10 Prozent Torf und 10 Prozent Bio-Gas-Anlagen-Rückstände gezüchtet. Holm Wießner, Produktionsleiter im Rosengut Langerwisch, erinnert sich: "Die Mischung hat sehr gut funktioniert. Der Ausfall war nicht höher als bei reinen Torfaufzuchten." Wießner sagt aber auch, dass der Aufwand während der Zucht größer war und sich der Substratpreis erhöht habe. Letztlich müsste das der Verbraucher zahlen, damit es sich für den Gartenbaubetrieb lohne. Er glaubt aber auch, dass es Verbraucher gibt, die etwas mehr für nachhaltig produzierte Produkte zahlen würden.



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Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.



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