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ÖKO-TEST April 2012
TestBlumenerde, torffrei
Der Mörder ist immer der Gärtner
Blumenerde, torffrei



Teile einer Leiche liegen in deutschen Gärten. Sie liegen in Beeten, Blumentöpfen, in Terrakottakübeln und Balkonpflanzkästen. Wenn Torf in Beet oder Topf steckt und nicht im Moor, wo er Bestandteil eines der faszinierendsten Öko-Systeme der Welt ist, dann ist er Teil einer Leiche - dem Moor. Denn um Torf abzubauen und daraus Substrate für Tomaten, Tulpen oder Thymian zu mischen, muss ein Moor entwässert werden. Und damit hört es auf, ein intaktes, ein lebendes Moor zu sein.

In den zurückliegenden drei Jahrhunderten hat sich darüber kaum jemand den Kopf zerbrochen. Wenige sahen Moore als schützenswerte Naturgebiete und Lebensräume von Sonnentau, Hochmoorgelbling, Wollgras und Kreuzotter an. Moore waren schlimmstenfalls gespenstische Orte, an denen man versinken und zur Moorleiche werden konnte. Bestenfalls waren es "Ödländereien", die der Mensch der Natur abtrotzen musste, wollte er den Boden landwirtschaftlich nutzen.

Moore speichern mehr Kohlenstoff als Wälder

In Mitteleuropa ist eine Nutzung von Mooren seit der Bronzezeit belegt. Es gibt bis zu 4.000 Jahre alte archäologische Spuren, die auf eine Verwendung von Torf als Brennmaterial für die Kupfer- und Zinnschmelze und die Bronzeherstellung hinweisen. Die intensive Nutzung von Moorstandorten begann im 18. Jahrhundert. Einerseits benötigten die Menschen Torf wieder als Brennmaterial, da in Mitteleuropa aufgrund von Übernutzung das Holz knapp geworden war. Andererseits begann man mit der Umwandlung von Moor- zu Grünlandstandorten.

Was damals wohl niemand wusste: Intakte Moore sind gewaltige Kohlenstoffspeicher. Ein natürliches funktionierendes Moor ist mit Wasser gesättigt wie ein vollgesogener Schwamm. Oben wachsen die grünen Triebe der Torfmoose, unten sterben sie ab, werden aber nicht zersetzt, da im sauerstoffarmen Untergrund Bakterien und Pilze nicht überleben. Da die abgestorbenen Pflanzen unter Luftabschluss als Torf konserviert bleiben und nicht abgebaut werden, entweicht kein Kohlendioxid in die Atmosphäre. Solange im Moor ausreichend Wasser vorhanden ist und der Torf nicht mit Sauerstoff in Kontakt kommt, bleibt der Kohlenstoff gespeichert. Auch wenn Mikroorganismen in intakten Mooren beim Abbau organischer Substanz unter Ausschluss von Sauerstoff klimawirksames Methan freisetzen, heben sich die Klimawirksamkeit des zurückgehaltenen Kohlendioxides und des freigesetzten Methans meist gegenseitig auf. Naturnahe Moore sind also klimaneutral oder sogar Stoffsenken, wenn mehr gespeichert als emittiert wird. Moore sind übrigens die größten Kohlenstoffspeicher pro Flächeneinheit. Sie binden etwa 700 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar - sechsmal so viel wie Wald.



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Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.



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