Ratgeber Bauen, Wohnen, Renovieren 13:2011 mit CD
Wer einmal den Absprung verpasst und sich nicht gleich als Kind schon ins Heimwerken einweisen lassen hat, holt das nicht so leicht wieder auf. Die Rolle der Bittstellerin und Schraubenanreicherin kann sich ungemein verfestigen.
Und dann steht irgendwann das schöne Wandregal monatelang auf dem Fußboden, bevor man sich dazu durchringt, schon wieder jemanden um Hilfe zu bitten. Selbst wenn talentierte Heim- oder sogar ausgebildete Handwerker aus dem Freundeskreis oder der Familie Privatunterricht anbieten, bringt das nicht unbedingt den Durchbruch: Oberlehrerhafte Sprüche können bei Erwachsenen den Lerneifer besonders effektiv im Keim ersticken.
Unterricht bei einem neutralen Fremden ist da erfolgversprechender. Karin Fischer hat am "Grundkurs Heimwerken" der Kölner DIY(Do it yourself)-Academy teilgenommen und fühlt sich jetzt so richtig gut gerüstet: "Der Grundstein ist gelegt." Die 57-jährige kaufmännische Sachbearbeiterin hat den Samstagskurs geschenkt bekommen und sich darüber gefreut. Sie will bald ihrer Schwester beim Renovieren helfen und plant, sich selbst einmal ein Haus zu kaufen, das sie dann in Eigenregie auf Vordermann bringen möchte. In der Werkstatt der Academy weisen Profis kleine Gruppen ins Tapazieren, Fliesenlegen und Verputzen ein - und vor allem auch ins "tägliche Brot" des Hobbyhandwerkers: den Umgang mit Elektrowerkzeugen.
"Das hat mir viele Aha-Effekte gebracht", erzählt Karin Fischer. "Zum Beispiel, dass ich den Bohrer weiterlaufen lassen muss, während ich ihn wieder aus der Wand ziehe, weil er sich sonst verkanten kann. Und welche Bohrer zu welchen Wandmaterialien und zu welchen Dübeln passen." Jeder in der Gruppe legte auch wirklich selbst Hand an und probierte aus, in den verschiedenen Materialien zu bohren. Für Karin Fischer eine besonders wichtige Erkenntnis: "Ich weiß jetzt, dass es zu Schrauben und Dübeln keine doofen Fragen gibt, sondern eben wirklich 150 unterschiedliche Varianten."