Testberichte aus dem Archiv

Blumen
Wem jetzt was blüht

Rosen zu Muttertag sind ein blühendes und oft schmutziges Geschäft. Unser Test zeigt die Probleme - und Wege aus der Misere.
Alles Liebe zum Muttertag, dazu Blumen und Pralinen. Die Arbeiterinnen auf den Blumenfarmen in Ecuador bekommen am 8. Mai keine Glückwünsche. Sie haben keine Kinder, sie haben Fehlgeburten. Oder sie sind unfruchtbar, durch Pestizide, die auf Rosen gespritzt werden. Ähnliche Studien und Berichte gibt es auch aus anderen Ländern. In Kenia, einem der bedeutendsten Erzeugerländer, sterben nach Angaben der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt jährlich 1.000 Menschen an Pestizidvergiftungen. Aus Uganda wird über Kopfschmerzen und Atembeschwerden berichtet, von den Philippinen über Nierenschäden und Krebs.
Wir wollen Ihnen nicht die Freude an den Muttertagsblumen verderben, aber das ist die Wirklichkeit in einer Welt, in der die einen in der Sonne, die anderen auf der Sonnenseite leben.
Die Probleme in den Erzeugerländern sind selbstverständlich auch in Deutschland bekannt. Man kann versuchen, sie über zwei Wege zu lösen. Zum einen durch bessere Arbeitsbedingungen. Dazu gehören geeignete Schutzausrüstung beim Mischen und Versprühen der Pestizide und die Einhaltung der vorgeschriebenen Wartezeiten, bevor die Gewächshäuser nach dem Spritzmitteleinsatz wieder betreten werden. Das alles ist bislang eher die Ausnahme.
Der zweite Ansatzpunkt sind die Pestizide selbst, um die es auch in unserem Test geht. Es dürfte bekannt sein, dass sie per se nicht gesund, sondern Spritzgifte sind. Aber es gibt durchaus Unterschiede. Die Weltgesundheitsorganisation WHO beispielsweise teilt die mehreren Hundert Wirkstoffe in fünf Klassen ein von "extrem gefährlich" bis "Gefährdung unwahrscheinlich" - zumindest bei vorschriftsmäßigem Gebrauch. Die amerikanische Umweltbehörde (EPA) unterscheidet ebenfalls fünf Klassen von "wahrscheinlich krebserregend" bis "keine Krebsgefahr".
Den Einsatz der schlimmsten Gifte "verbieten" die drei Label, mit denen ein Teil der Blumen in unserem Test ausgezeichnet ist: das Flower Label Program (FLP), das von Menschenrechtsorganisationen wie Brot für die Welt, Gewerkschaften, Blumenhändlern und -erzeugern getragen wird, Fair Flowers Fair Plants (FFP) aus den Niederlanden und Fairtrade, das es für Lebensmittel, Blumen, Kleidung oder Spielzeug gibt. Wir schreiben "verbieten" in Anführungszeichen, weil sich die Verbotslisten in den Vergabebedingungen bei genauerem Hinsehen mehr oder weniger als Papiertiger entpuppen. Pestizide, die in den EU-Ländern längst nicht mehr verwendet werden dürfen, sind ebenso erlaubt wie solche, die die amerikanische Umweltbehörde als "möglicherweise krebserregend" einstuft.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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