Testberichte aus dem Archiv

Thunfischfang und Nachhaltigkeit
Keine Öko-Spinnerei

Die Politik ist besorgt wegen der Überfischung der Meere. Die Bundesbürger sind es auch. Folgen hat das kaum, wie unser Test zeigt.
Ist "Thunfisch noch vertretbar?", fragt ein Tom im Internetforum Wer-weiss-was und merkt an: "Sollte der Beitrag in irgendein Öko-Spinner-Forum gehören, verschiebt ihn dahin."
Öko-Spinner? Mitnichten. Immer deutlicher wird, dass wir die Meere plündern, bis es nichts mehr zu fangen gibt, und dass es allerhöchste Zeit ist, verantwortungsvoll mit der Ressource Fisch umzugehen. "Wie wichtig ist nachhaltiger Fischfang bei Ihrer Lieferantenauswahl?", wollten wir daher von den Anbietern wissen. Auf einer Liste von "unbedeutend" bis "ausschlaggebend" kreuzte nur Rewe "wichtig" an. Für alle anderen hat Nachhaltigkeit noch größere Bedeutung.
Das passt gut zu den Veröffentlichungen der Firmen. Bei Saupiquet, nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland, ist zu lesen: "Durch den Thunfischfang mit eigener Fangflotte, bei dem garantiert keine Treibnetze verwendet werden, wird sichergestellt, dass keine anderen Meerestiere in Mitleidenschaft gezogen werden."
Dass die Wirklichkeit eine andere ist, zeigt schon die Antwort auf unsere Frage nach dem Beifang. Damit bezeichnet man alles, was außer Thunfisch noch ins Netz geht und verletzt oder tot ins Meer zurückgeworfen wird. Saupiquet verweist auf ein Programm zur Beifangreduktion. Was ja nur Sinn macht, wenn es Beifang gibt, wenn also doch Tiere in Mitleidenschaft gezogen werden.
Ob Thunfisch nachhaltig gefangen wurde, hängt unter anderem von der Art, der Fangmethode, vom Fanggebiet, dem Zustand des Bestands und dem Fischereimanagement ab. Danach hat der World Wide Fund For Nature die Produkte in unserem Test bewertet. Das Ergebnis: "Nur wenige Unternehmen bieten ausschließlich umwelt- und bestandserhaltend gefangenen Thunfisch an. Die Masse wird mit Fangmethoden gefangen, die zu Beifang von jungem Gelbflossen- und Großaugenthun und Haien, Schildkröten, Marlinen, Schwertfischen und anderen Hochseefischen führt."
Etwa 4,5 Millionen Tonnen Thun werden jedes Jahr aus den Weltmeeren geholt. Am häufigsten mit so genannten Ringwadennetzen mit Lockbojen, auch FADs oder Fischsammler genannt. Doch die Bojen locken nicht nur Thun, sondern auch Haie, Schildkröten und anderen Beifang an. Das Problem ist selbstverständlich auch den Anbietern bekannt. Aldi Nord will daher "für sein gesamtes Thunfischangebot sukzessive die Fangmethode Ringwade ohne FAD-Lockbojen erhöhen".
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Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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