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ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik für 2011
TestHaarfarben, Pflanzenfarben
Im Färborgenen
Haarfarben, Pflanzenfarben



Naturhaarfarben gehören in die Gruppe der sogenannten semipermanenten Haarfarben, die immerhin mehr als 24 Haarwäschen überstehen. Die gebräuchlichste Pflanze für das Färben ist rotes Henna. "Wir verwenden aber insgesamt mehr als 20 Färbepflanzen für unsere Pflanzenfarben, für Blond- und Goldtöne etwa Kamille, Weizen oder Kurkuma und Walnussschalen für Braunnuancen", erklärt Kirsten Luger vom Pflanzenfarbenanbieter Culumnatura. Auch Indigo, das Textilien und die Jeans blau färbt, werde verwendet. Damit seien kühle Rotnuancen, beispielsweise Burgunder, realisierbar, sagt Luger.

Die meist pulverförmigen Pflanzenprodukte werden mit heißem Wasser zu einem Brei angerührt, der meist zwischen einer halben Stunde und zwei Stunden im Haar bleiben muss. Die Firma Lush empfiehlt für ihre Henna-Produkte sogar drei bis acht Stunden - damit wird das Färben zur tagesfüllenden Aufgabe.

ÖKO-TEST hat 34 Haarfarben auf Pflanzenbasis oder mit einer Bezeichnung, die überwiegend "Natur" im Produkt vermuten lässt, eingekauft und die Bestandteile der Rezepturen ins Visier genommen.

Das Testergebnis

Im Vergleich zu herkömmlichen Haarfarben und Tönungen haben die untersuchten Produkte deutlich besser abgeschnitten. Immerhin 18 Pflanzenfarben bekommen ein "sehr gut". 16 Marken fallen dagegen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Hier handelt es sich um ganz konventionelle Produkte, die sich das Deckmäntelchen "Henna", "Bio" oder "Natur" umlegen, tatsächlich aber mit problematischen Färbechemikalien gegen den grauen Look zu Werke gehen.

Knapp die Hälfte der Haarfarben wartet mit problematischen Stoffen wie Phenylendiamin auf. Diese Substanz und viele andere wie m- oder p-Aminophenol gehören zur Gruppe der aromatischen Amine, einige Vertreter dieser Stoffgruppe gelten als krebsauslösend.

Viele Färbechemikalien sind bislang nur vorläufig zugelassen. Der Prüfprozess ist langwierig und dauert bereits seit mehreren Jahren an. In dieser Zeit hat sich herausgestellt, dass viele der häufig eingesetzten Färbekomponenten stark sensibilisierend sind und eine Kontaktallergie auslösen können. Symptome können schmerzhafte Rötungen, Schwellungen und Juckreiz etwa im Gesicht und Nacken sein. Auf diese Gefahr weist heute schon der Warnhinweis "kann eine allergische Reaktion auslösen" hin.

Die Esther Tol Henna-Color, Rot Extra-Stark, die Henné Masria Rapide, Feurig Rot und das Henné Color Premium Végétal Pflanzliches Haarfärbepulver, Auburn Passion enthalten das aromatische Amin Sodium Picramat, das ein rötlich gelber Farbstoff ist. Im Klartext: Diese vermeintlichen Naturprodukte sind ganz konventionelle chemische Haarfarben, ebenso wie es die neun dauerhaften Haarfarben mit den Komponenten Farbcreme und Entwickler von Extracta, Börlind, Frenchtop, Der Mayer und Power Health Ned. sind. In fünf weiteren Produkten monieren wir zudem das stark sensibilisierende Resorcin.

In fünf Marken kritisieren wir die eingesetzten Konservierungsstoffe. Die Pflegekomponenten der zwei Nuancen der Naturtint Dauerhafte Coloration sowie der Henna Plus Long Lasting Colour sind mit Imidazolidinyl Urea oder Diazolidinyl Urea haltbar gemacht. Solche Formaldehyd/-abspalter können Allergien auslösen.

Umstrittene halogenorganische Substanzen wie Iodopropynyl Butylcarbamate oder Methylchloroisothiazolinone sollen die Tönungscremes Henné Color Premium Végétal, Brun Voluptueux und Henné Color Tönungscreme Brun, Braun vor Keimbefall bewahren. Das Methylchloroisothiazolinone wird in Kombination mit Methylisothiazolinone eingesetzt: Das Gemisch ist sensibilisierend. Eine aktuelle wissenschaftliche Einschätzung des wissenschaftlichen EU-Beratergremiums SCCS empfiehlt, es nur in einer winzigen Menge von 0,0015 Prozent in Kosmetika zu erlauben, die wieder abgespült werden.





Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.



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