Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2011

Mineralwasser
Einweg ist kein Weg

In keinem Land der Welt gibt es so viele unterschiedliche Mineralwässer wie in Deutschland. Sie unterscheiden sich in Mineralstoffgehalt, Geschmack und - wie unser Test zeigt - auch in der Qualität. Viele der 118 untersuchten Wässer bekommen Bestnoten. Doch es gibt einige Ausreißer, unter ihnen auch bekannte Marken.
Der Schwalbacher Mineralbrunnen im Hochtaunus ist mit 1,2 Millionen Liter Abfüllung einer der kleinsten Brunnen im Bundesgebiet und gleichzeitig einer der ältesten (seit 1334). "Nur von dem Brunnen könnten wir nicht leben", sagt Birgit Müller-Lindenau, Mitglied der Geschäftsleitung. "Unser Hauptgeschäft ist die Fruchtsaftkelterei. Den Brunnen haben wir dazugekauft, weil Saft und Mineralwasser optimal zusammenpassen, die räumliche Nähe gegeben ist und die Vertriebsstruktur schon vorhanden war."
In unserem großen Mineralwassertest nahmen wir 118 Marken unter die Lupe. Wir ließen prüfen, ob der Mineralstoffgehalt hält, was das Etikett verspricht oder ob Schwermetalle im Wasser gelöst sind.
Das Testergebnis
... ist deutlich schlechter als in früheren Tests. Zum einen, weil es einige echte Ausreißer gibt, die stark mit Schwermetallen belastet sind. Besonders übel war in diesem Zusammenhang das Überkinger Medium. Zum anderen fällt in unserem aktuellen Test die negative Öko-Bilanz von Einwegflaschen stärker ins Gewicht. Dennoch sind viele der eingekauften Wässer in Mehrwegflaschen "sehr gut".
Zu den in Mineralwässern enthaltenen problematischen Stoffen gehören Uran, Arsen, Bor und Mangan.
In einigen der untersuchten Wässer haben die von uns beauftragten Labore Uran gefunden, das schon in geringen Mengen Niere und Leber schädigen kann. Das Waldecker Medium, das Überkinger Medium und die Kugelsburg-Quelle Medium waren am höchsten belastet.
In acht Mineralwässern steckten erhöhte Werte an Bor, eines überschritt die festgelegte Höchstmenge für Trinkwasser. Für Mineralwasser gilt ein mehr als fünffacher Grenzwert. Warum, bleibt fraglich, denn viele Menschen trinken genauso viel Mineralwasser wie Leitungswasser. Bor ist in höheren Mengen entwicklungs- und reproduktionstoxisch. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schlägt vor, in Mineralwasser nicht mehr Bor als in Trinkwasser zu erlauben. Das sieht Dr. Hermann H. Dieter, Trinkwassertoxikologe des Umweltbundesamts, genauso. Er empfiehlt sogar, Mineralwässer mit Borgehalten über dem Trinkwasserwert mit einem Warnhinweis für Säuglinge auszustatten, zumal sichere Werte für Säuglinge nicht bekannt sind und Bor aus Mineralwasser nicht entfernt werden darf.
Bei manchen Stoffen liegen Nutzen und Schaden nah beieinander, etwa bei Fluorid. Das Spurenelement erfüllt lebensnotwendige Funktionen in unserem Körper. Eine erhöhte Dosis kann jedoch Verfärbungen des Zahnschmelzes sowie eine mangelnde Elastizität der Knochen hervorrufen. In der Trinkwasserverordnung ist eine Höchstmenge von 1,5 Milligramm pro Liter vorgeschrieben. Da das BfR diese Menge aufgrund wissenschaftlicher Daten und der Verzehrsmengen auch für Mineralwasser empfiehlt, bekommen das Kellerwald Medium und das Überkinger Medium Punktabzug für Werte darüber.
Mangan ist wichtig für die Knochenbildung und die Blutgerinnung. Im Übermaß kann es aber schaden. Im Tierversuch wurden bei hohen Mengen Mangan über einen längeren Zeitraum neurologische Störungen beobachtet. Das Kellerwald Medium überschreitet die gesetzlich festgelegte Höchstmenge für Mangan.
Der Trend geht zu Einweg - das zeigt unser Testfeld ganz deutlich. Die Wässer in der Einwegflasche bekommen unter dem Testergebnis "Weitere Mängel" vier Punkte Abzug. Viele Hersteller bieten aber auch Mehrweg an, so das Ergebnis unserer Abfrage.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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