Ratgeber Rente, Geld, Versicherungen 8:2010
Mit Edelhölzern Geld verdienen und gleichzeitig Gutes für das Klima tun - das versprechen Waldinvestments. Doch Anleger sollten vor lauter Bäumen die Risiken nicht übersehen. Viele Geschäftsmodelle sind undurchsichtig.
Die Idee klingt ebenso einfach wie überzeugend: Wer sein Geld in die Wald- und Forstwirtschaft investiert, erzielt eine vergleichsweise krisensichere und inflationsstabile Rendite. Weil Bäume anders als andere Rohstoffe ganz von alleine wachsen, steigt ihr Wert mit der Zeit automatisch an - auch in Finanzkrisen und Rezessionen. Je mehr der Baum an Höhe und Umfang gewinnt, desto wertvoller wird die Anlage -, und zwar unabhängig davon, was an der Börse passiert.
Das Investment ist zudem nicht nur für den Geldbeutel gut, sondern stiftet auch ökologischen und sozialen Nutzen: Weil Bäume während ihres Wachstums mehr Kohlendioxid aufnehmen als sie abgeben, dienen sie dem Klimaschutz. Zugleich bremsen sie die Erosion fruchtbarer Böden, schaffen im besten Fall Schutzzonen für Tiere und Pflanzen.
Diese Symbiose von Ökologie und Ökonomie, die Anbieter von Holzinvestments immer wieder gern beschwören, lässt sich glänzend vermarkten. Kein Wunder daher, dass das Geschäft der Baumanbieter boomt. Rund 450 Millionen Euro Anlegerkapital wollten allein die Initiatoren geschlossener Fonds 2009 am deutschen Beteiligungsmarkt einsammeln. Ein Grund dabei: Weil das Geschäft mit Anteilen von Immobilien oder Schiffen zunehmend schwieriger geworden ist, haben sie nunmehr die Holzklasse für sich entdeckt. Doch auch die Anbieter von Waldaktien, Waldaktienfonds und -zertifikaten wetteifern um Kunden. Neuerdings gibt es sogar Baumanleihen und partiarische Darlehen. Das sind Darlehen, bei denen statt Zinsen eine Gewinnbeteiligung gezahlt wird. Wieder andere offerieren Termingeschäfte auf Holz oder verkaufen und verpachten bewirtschaftete Waldflächen in Parzellen weiter - sind also im Immobiliengeschäft aktiv.
Die Fülle der Angebote ist für Anleger nicht nur verwirrend. Ein Blick hinter die Geschäftsmodelle zeigt: Jeder Anbieter investiert in einer anderen Gegend, pflanzt andere Bäume und hat sein ganz eigenes Geschäftsmodell, wie er Anleger am Baum- und Forstertrag beteiligen will. Entsprechend unterschiedlich sind die in Aussicht gestellten Renditen. Die Bandbreite reicht von 3,0 bis 15 Prozent pro Jahr. Dabei wird immer über die gesamte Laufzeit gerechnet.