Ratgeber Rente, Geld, Versicherungen 8:2010
Dabei muss es angesichts der vielen Produkt- und Beratungsmängel nicht verwundern, dass Verbraucher mit dem Abschluss eines Vertrags zögern. Schon die Produktauswahl fällt schwer. Vorsorgesparer haben nicht nur bei der Riester-Rente die Qual der Wahl zwischen sechs verschiedenen Produktlinien mit unterschiedlichem Chance-Risiko-Raster. Daneben können sie mit staatlicher Förderung über den Betrieb auf fünf verschiedenen "Durchführungswegen" für das Alter sparen oder sich für eine von vier verschiedenen Produktlinien der Rürup-Rente entscheiden.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Produktofferten allesamt nicht transparent sind. "Allein die Suche nach einem staatlich geförderten Riester-Produkt zur Altersvorsorge gleicht eher einer Lotterie als einem fairen Wettbewerb", stellte zum Beispiel Andreas Oehler Ende 2009 in einer Studie für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fest. So könnten Verbraucher die Kosten für Abschluss und Verwaltung eines Vertrags sowie für einen Vertragswechsel oft kaum erkennen und die Offerten daher nicht vergleichen, so Oehler. Auch die Chancen und Risiken der Offerten werden vom Großteil der Anbieter gar nicht oder in für Laien unverständlicher Form dargestellt.
Der Bamberger Professor fasst zusammen, was ÖKO-TEST in seinen Untersuchungen schon seit Jahren bemängelt und belegt. So stellten wir schon 2008 fest, dass die Branche bei den Kostenangaben nach Kräften trickst und schönt. An dieser Praxis hat sich bis heute nichts geändert, wie nicht nur Andreas Oehler feststellte.
Auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, das - nach Drängen des Finanzausschusses des Bundestags - vom Bundesfinanzministerium beauftragt wurde, die Transparenz von Riester- und Rürup-Produkten unter die Lupe zu nehmen, monierte massive Mängel. Die Analysen hätten gezeigt, dass die bisherigen Vorschriften zum Kostenausweis das "Ziel der Schaffung von Kostentransparenz beim Vorsorgesparer weitgehend verfehlen", heißt es in dem Mitte Juli 2010 vorgelegten Abschlussbericht.