Ratgeber Rente, Geld, Versicherungen 8:2010
Für das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung ist die Welt noch in Ordnung. Auf der Homepage des Ministeriums wird die Riester-Rente als das Nonplusultra im Kampf gegen die Altersarmut dargestellt. Rund 13,85 Millionen Bürger haben mittlerweile einen solchen Vertrag abgeschlossen, vermeldete das Ministerium stolz im August 2010. Wie schon in den Vorjahren pries die Regierung die Riester-Rente wiederum fast gebetsmühlenartig als "lukrative und besonders sichere Form der zusätzlichen Altersvorsorge".
Dabei belegen zahlreiche Studien, Fallbeispiele und auch die regelmäßigen Untersuchungen von ÖKO-TEST eher das Gegenteil: Die staatlichen Zulagen klingen zwar verlockend. Schlimmer noch: Sie suggerieren sogar, dass die Produkte in jedem Fall gut sind, weil der Staat sie für förderungswürdig hält. In Wahrheit halten sie jedoch längst nicht, was die Bundesregierung verspricht. Die perfekte Altersvorsorge sind Riester-Renten nur für die Finanzdienstleister. Versicherungen, Banken, Fondsgesellschaften und Bausparkassen verdienen prächtig daran.
Die Mängelliste ist lang. "Unfaire Vertriebsmethoden, begrenzte Offenlegung von Kosten, zweifelhafte Beratungen, unzureichende und unverständliche Verbraucherinformationen sowie erfolglose Beschwerden" - mit diesen knappen Worten fasst zum Beispiel das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die von Verbraucherorganisationen zusammengetragenen Kritikpunkte an der Riester-Rente und ihren Anbietern zusammen. Die Berliner Forscher kritisieren zudem, die Politik habe es versäumt, Riester zu einer Pflichtversorgung zu machen. Auch neun Jahre nach Einführung von Riester hätten gerade mal 37 Prozent der Anspruchsberechtigten einen Riester-Vertrag. Damit sei das Förderziel noch lange nicht erreicht, so das DIW und nennt die immer wieder stolz verkündeten Abschlusszahlen "Erfolgsmeldungen ohne Fundament". Die baden-württembergische Verbraucherkommission kritisiert ebenfalls die mangelnde Transparenz der Produkte und die unzureichenden Informationen. Darüber hinaus plädiert sie für eine Deckelung der Vertragskosten - und damit die staatliche Förderung auch wirklich beim Verbraucher ankommt, macht sie sich für ein einfaches, kostengünstiges Vorsorgekonto stark.