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ÖKO-TEST Juni 2010
TestNaturheilverfahren
Schluss mit der Angeberei
Naturheilverfahren

Naturmedizin für Kassenpatienten? Bei uns kein Problem, posaunen seit Jahren viele Kassen. Die Realität sieht anders aus. Die gesetzlichen Grenzen sind eng, aber leider vielfach unbekannt. ÖKO-TEST zeigt, wie und wo sanfte Medizin auf Rezept wirklich möglich ist.


Deutschland ist das Paradies. Zumindest für Kassenpatienten, die Krankheiten und Wehwehchen mit Naturheilverfahren kurieren wollen. Gesundheitsreform hin, Kosteneinsparung her - die klammen Kassen schütten ein Füllhorn (finanzieller) Wohltaten über die Versicherten aus.

Diesen Eindruck vermitteln zumindest Tests wie die Servicestudie: Gesetzliche Krankenkassen 2009 des DISQ. Das Deutsche Institut für Servicequalität hatte 20 der größten deutschen Krankenkassen befragt, ob sie ihren Mitgliedern Naturheilverfahren bezahlen, von anthroposophischer Medizin über Eigenbluttherapie bis hin zu Qigong und Taichi. Das Ergebnis: Laut DISQ zahlt die Techniker Krankenkasse TK für 21 der 24 abgefragten Verfahren "uneingeschränkt", ebenso die DAK. Bei der Barmer sind es immerhin noch 18.

Das Problem: Für viele der abgefragten Verfahren wie die Eigenharntherapie - durch das Trinken des eigenen Urins soll das Immunsystem aktiviert werden - oder die Irisdiagnostik - durch den tiefen Blick in die Augen sollen Krankheiten zu erkennen sein - dürfen die Kassen gar nicht "uneingeschränkt" leisten, sondern allenfalls in Ausnahmefällen. So hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass nahezu jede Behandlungsmethode bezahlt werden muss, wenn ein Patient lebensbedrohlich erkrankt ist und anerkannte schulmedizinische Methoden nicht (mehr) helfen. Auch in Kliniken und der Reha dürfen Verfahren angewandt werden, die die Kassen im Normalfall nicht bezahlen müssen oder dürfen. Von solchen Ausnahmen abgesehen sind die Spielräume der Krankenkassen eng begrenzt. Von der Möglichkeit, einen ganzen Strauß von Naturheilverfahren "uneingeschränkt" zu übernehmen, sind sie auch angesichts der Finanznöte weiter entfernt denn je.

Die Leidtragenden solcher Testaussagen sind die Patienten. Bei denen werden Erwartungen geweckt, und wenn sie sich ohne Rückfrage bei den Kassen von mehr oder minder seriösen Heilern behandeln lassen, müssen sie unter Umständen die Kosten aus eigener Tasche bezahlen. Auch die seriösen Ärzte gehören zu den Verlierern, wenn sie Behandlungen auf Krankenkassenkarte mit solchen Verfahren verweigern müssen und dadurch in Erklärungsnöte geraten. Wer einen hartnäckigen Patienten dann noch auf die Möglichkeit der privaten Abrechnung hinweist, kommt schnell in den Verdacht, ein Abzocker im weißen Kittel zu sein.



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Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.



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