Testberichte aus dem Archiv
Ratgeber Kosmetik 10:2010 mit CD

Anti-Faltencremes
Fettnäpfchen

Eines ist sicher: Gäbe es eine Creme, die Falten zum Verschwinden brächte, dann würden sich nicht immer mehr Frauen mit dickem Geldbeutel gewappnet in den Wartezimmern von Dermatologen versammeln. Faltenunterspritzung heißt das Zauberwort: Mit dem Nervengift Botulinumtoxin, kurz Botox, das die Gesichtsmuskeln lähmt. Oder mit Stoffen, die die Haut aufpolstern, wie künstlich hergestellte Hyaloronsäure, Kollagen aus Rinder- oder Schweinesehnen, Milchsäure, Eigenfett oder Plasmagel. Wenn die Spritze nicht optimal gesetzt wird, wirkt das Gesicht entstellt. Bei manchen Stoffen wie Kollagen können Unverträglichkeiten auftreten.
Was eine Faltenunterspritzung kann, leistet eine Creme niemals. Dennoch werden ständig neue Wirkstoffe von der Kosmetikindustrie angepriesen. Viel geredet wird etwa von Peptiden. Angeblich können diese Ketten von Aminosäuren heute so konzipiert werden, dass sie dort ankommen, wo sie wirken sollen. Einen ähnlichen Effekt wie mit Botox wollen die Hersteller mit Argireline erreichen: Es soll die Anspannung von Hautfasern hemmen. Ein anderes Peptid wiederum, als Matrixil bekannt, soll das Bindegewebe stimulieren.
Ergänzt werden die Rezepturen meist mit feuchtigkeitsbindenden und aufpolsternden Stoffen wie die schon legendäre Hyaloronsäure, die als recht verträglich gilt. Auch Phytohormone, zum Beispiel aus Sojaextrakten, sollen den Stoffwechsel der reifen Haut unterstützen und die Bildung kollagener und elastischer Fasern anregen. Kosmetikexperte Dr. Tilmann Reuther vom Studiengang Kosmetikwissenschaften der Universität Hamburg sieht dagegen Vitamine als wirkungsvolle Waffe. "Vitamin A und Vitamin C haben eine sehr komplexe Wirkung auf die Haut. Sie fördern die Kollagenbildung und reduzieren den Kollagenabbau."
Den Beweis, dass Antifalten- oder Anti-Aging-Produkte mehr als normale Gesichtscremes können, bleiben die Hersteller allerdings nach wie vor schuldig. Tatsächlich haben wohl einige Wirkstoffe im Laborversuch eine Wirkung gezeigt; aber ob die fertige Creme auf das komplexe System der Haut wirken kann, ist nicht bewiesen.
Wenn die Cremes schon nicht gegen das Altern helfen, sollten sie zumindest hochwertige Inhaltsstoffe enthalten, die sich nicht nachteilig auf Haut und Gesundheit auswirken. ÖKO-TEST hat 23 Tagescremes eingekauft, die mit "Anti-Aging" oder "Anti-Falten" deklariert sind, und sie in die Labore geschickt.
Das Testergebnis
Mehr als ein Drittel der Produkte steht am Ende der Notenskala, darunter auch hochpreisige Marken. Dem stehen acht Cremes mit der Gesamtnote "sehr gut" gegenüber.
Die Eucerin Anti-Age Dermo Densifyer Tagespflege von Beiersdorf und die Marbert Anti-Age Care Profutura Cream Dry Skin enthalten Formaldehyd/-abspalter. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff, der Schleimhäute reizen und Allergien auslösen kann.
Zwei Marken enthalten einen Duftstoff, der Allergien auslösen kann. Noch kritischer sehen wir die fünf Cremes, in denen polyzyklische Moschus-Verbindungen eingesetzt werden, da sie sich im Fettgewebe und in der Muttermilch anreichern.
Sieben Cremes enthalten bedenkliche UV-Filter, die in Verdacht geraten sind, wie Hormone zu wirken. Sonnenlicht ist in der Tat am Alterungsprozess der Haut beteiligt. Dennoch empfiehlt ÖKO-TEST spezielle Sonnencremes zum Schutz gegen UV-Strahlen

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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