Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch Bauen, Wohnen, Renovieren für 2010

Tapeten, gemustert
Immer an der Wand entlang

Mustertapeten haben sich vom absoluten Tabu zum modischen Hingucker gemausert. Über Geschmack lässt sich dabei streiten. Über die Schadstoffe, die man sich ins Haus holt, nicht. Bedruckte Papiertapeten sind im Vergleich zu den beschichteten Modellen weniger belastet.
Wohnzeitschriften und Einrichtungsshows im Fernsehen verkünden die frohe Botschaft schon etwas länger: Farbige, extravagante Tapeten sind wieder angesagt. Unsere vier Wände sollen sich wieder was trauen, mehr Lebensfreude, Sinnlichkeit und Witz einziehen.
Der Markt hat sich schon voll auf die neue Liebe zur Wandbekleidung eingestellt. Zwischen reduziert und verspielt gibt es alle Spielarten - vom Wandkleid von der Stange bis hin zum maßgeschneiderten Seidenoutfit, handbemalt und handbestickt.
ÖKO-TEST hat in Baumärkten und bei Raumausstattern Mustertapeten eingekauft, darunter große, marktbestimmende Marken, aber auch eine Auswahl kleinerer Anbieter. Neben Tapeten mit aufgeschäumter Struktur finden sich auch einfache Papiertapeten in unserem Test. Insgesamt zwölf Modelle wurden in verschiedenen Laboren untersucht. Im Praxistest mussten sie zeigen, wie gut sie sich verarbeiten lassen.
Das Testergebnis
Mustertapeten mit Kunststoffbeschichtung sind ein Problem: Weichmacher, zinnorganische Verbindungen, PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe, flüchtige organische Verbindungen und optische Aufheller - die beauftragten Labore fanden jede Menge Schadstoffe darin. Die reinen Papiertapeten der Hersteller Erismann, Graham & Brown und Lutèce dagegen sind wesentlich geringer belastet.
Weichmacher sorgen dafür, dass die Kunststoffschicht, die meist als aufgeschäumte Farbpaste auf das Trägermaterial aufgebracht wird, lange elastisch bleibt. Die Hersteller setzen vor allem Weichmacher ein, die in Produkten für Babys und Kleinkinder stark reglementiert sind. Über den Hausstaub gelangen sie in die Wohnung, in Kleidung, Essen, Luft.
In Sachen Verarbeitung waren die von uns beauftragten Fachmänner im Großen und Ganzen zufrieden. Die Vliestapeten, die als "besonders leicht und schnell zu verarbeiten" angepriesen werden, machten ihnen aber ordentlich zu schaffen. "Für einen Laien ist die Wandklebetechnik, die diese Tapeten erfordern, nur schwer durchführbar", erklärt der Maler- und Lackierermeister Peter Hoffmann von der August-Bebel-Schule in Offenbach, der zusammen mit Auszubildenden die Tapeten auf ihre Praxistauglichkeit testete. "Das Hantieren mit der kompletten Tapetenrolle ist kompliziert. Rollt man sie von oben in das Kleisterbett, ist etwa die Gefahr groß, dass Kleister auf die Frontseite kommt." Die glänzenden Stellen, die zurückbleiben können, sind bei Mustertapeten ein echter Makel. Bei der Hälfte der Tapeten waren die Flecken trotz aller Bemühungen nicht zu entfernen.
Wer schon einmal selbst tapeziert hat, kennt den beißenden Geruch, der bisweilen aus frisch aufgerollten Tapeten aufsteigt. Wir ließen messen, welche Stoffe aus den Tapeten ausgasen und die Raumluft belasten. Besonders die P+S International Vliestapete fiel bei dieser Prüfung negativ auf. Sie gaste nach 24 Stunden noch immer jede Menge flüchtiger organischer Verbindungen aus, darunter auch Aromaten, die das Nervensystem schädigen können und teilweise krebsverdächtig sind. Bei der Graham & Brown Monsoon Home, Chrysanthemum - Damson Tapete sowie der Esprit Home Vliestapete fiel die Ausdünstung von Acrylaten negativ auf. Diese flüchtigen organischen Verbindungen können Allergien verursachen.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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