Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2010

Sonnenbrandmittel
Brand-gefährlich

Cremen, cremen, cremen... und die Sonne vermeiden - besonders wenn sie ihren Tageshöchststand hat. Das predigen Medien und Ärzte schon seit Jahren. Denn intensive Sonnenbäder mit Sonnenbränden, besonders in der Kindheit, und künstliche UV-Strahlung treiben das Risiko für den schwarzen Hautkrebs in die Höhe.
ÖKO-TEST hat 13 rezeptfreie Arzneimittel, Medizinprodukte und Kosmetika in der Apotheke gekauft. Alle Mittel versprechen auf der Verpackung oder im Beipackzettel, bei Sonnenbrand zu helfen. Wir haben die Produkte pharmakologisch begutachten lassen sowie auf problematische Inhaltsstoffe getestet.
Das Testergebnis
Völlig unverständlich: Die meisten Sonnenbrandmittel belasten die verbrannte Haut noch zusätzlich mit allergisierenden Substanzen. Sage und schreibe sieben Präparate schneiden in unserem Test mit "mangelhaft" und "ungenügend" ab.
Grundsätzlich kann kein Sonnenbrandmittel die Schäden, die ein Sonnenbrand auf der Haut verursacht, rückgängig machen. Solche Produkte können allenfalls Symptome wie Juckreiz und Schmerzen lindern und die Regeneration der Haut ein wenig unterstützen. Nach Meinung unseres pharmakologischen Beraters sind Mittel mit Kamillenblüten und Dexpanthenol bei Sonnenbrand empfehlenswert. Diese Stoffe helfen der Haut sich zu regenerieren. Arzneimittel mit Antihistaminika wie Dimetinden, Diphenhydramin oder Chlorphenoxamin können zwar Entzündungen unterdrücken, unklar ist allerdings, ob diese Substanzen auch auf der Haut wirken; daher werten wir hier um zwei Noten ab. Chlorphenoxamin gehört zudem zur Gruppe der umstrittenen halogenorganischen Verbindungen und kassiert deshalb einen weiteren Minuspunkt. Ist der Sonnenbrand besonders schmerzhaft, können Arzneimittel mit Lidocain, das die verbrannten Hautbereiche betäubt, lindernd wirken. Lidocain kann jedoch in seltenen Fällen Allergien auslösen.
Für Perubalsam, Zinkoxid, Lebertran, Kampfer, Menthol und auch Thermalwasser, die in Medizinprodukten und Kosmetika enthalten sind, gibt es keine Studien, die zeigen, dass sie bei Sonnenbrand einen positiven Effekt haben. Im Gegenteil: Perubalsam wirkt stark allergisierend.
Einige der Medizinprodukte und Kosmetika wie das Brand- und Wundgel Medice, der Fenistil Kühl Roll-on, die Dermi-Cyl Hautpflegesalbe und die Pruricalm Lotion versprechen laut Beipackzettel oder Verpackung einen kühlenden Effekt, und das Eau Thermale Avène Thermalwasser soll erfrischen. Richtig ist, dass man bei Verbrennungen ersten Grades die Haut kühlen sollte. Das mindert die Schmerzen und begrenzt die Entzündung. Fachleute empfehlen dafür aber fließendes Leitungswasser und feuchte Umschläge mit kaltem Leitungswasser. Ob Sonnenbrandmittel auch einen kühlenden Effekt haben, konnte kein Hersteller durch plausible Studien belegen.
Das Mirfulan Spray N und die Pruricalm Lotion erhalten Punktabzug für Duftstoffe, die relativ häufig Kontaktekzeme auslösen können. Hautreizende oder allergisierende Konservierungsstoffe wie Methylchlorisothiazolinon und Benzalkoniumchlorid kritisieren wir an zwei Mitteln. Auch das aus Kiefernharz stammende Kolophonium in dem kosmetischen Mittel Peru-Lenicet Pflegesalbe kann Allergien auslösen.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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