Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2010

Shampoos
Hairlich!

Spezialshampoos machen inzwischen einen Riesenanteil unter den Haarpflegemitteln aus. So war etwa jedes fünfte Shampoo, das 2008 über den Ladentisch ging, gegen Schuppen oder trockenes, aber nur jedes siebte für normales Haar.
Wir haben 123 Shampoos, darunter solche für normales, fettiges und strapaziertes Haar sowie Farbglanz- und Anti-Schuppen-Shampoos, auf bedenkliche und umstrittene Inhaltsstoffe untersuchen lassen.
Das Testergebnis
Die gute Nachricht: Allzu vielen Herstellern müssen wir den Kopf nicht waschen; die meisten Produkte schneiden mit "gut" ab. Das liegt vor allem daran, dass sie keine problematischen Duftstoffe und bedenkliche oder umstrittene Konservierungsmittel enthalten. Etliche Shampoos von Naturkosmetikanbietern kommen sogar "sehr gut" weg.
Allerdings fallen auch 27 Shampoos mit "ungenügend" komplett durch.
Egal welche Kategorie von Shampoo, es sind immer wieder bekannte Marken wie Garnier Fructis, Guhl, Dove, Elvital von L’Oréal oder Pantene Pro-V, die unangenehm auffallen. Gerade die Großen der Branche wollen offenbar nicht auf problematische Konservierungsmittel verzichten, in vielen stecken zum Beispiel bedenkliche Formaldehyd/
-abspalter. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff. Umstrittene halogenorganische Verbindungen als Konservierungsmittel stecken vor allem in den Shampoos der Marken Dove und Pantene. Viele halogenorganische Verbindungen können Allergien auslösen.
Die großen Marken fallen auch beim Duft auf. Etliche Produkte enthalten künstliche polyzyklische Moschus-Verbindungen, die sich im Fettgewebe anreichern. Neben den Moschus-Verbindungen sind auch allergieauslösende Duftstoffe ein Problem. In einer Reihe von Shampoos steckt zum Beispiel der Duftstoff Lyral, der Allergien auslösen kann. Einzig das Eucerin Anti-Schuppen Shampoo enthält kein Parfüm.
Zum Haarewaschen sind waschaktive Substanzen, sprich Tenside, notwendig. Entsprechend leuchtet es ein, dass alle getesteten Shampoos solche Stoffe enthalten. Häufig werden dafür PEG/PEG-Derivate eingesetzt, die wir kritisieren, denn sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Die Naturkosmetikhersteller in unseren Tests verwenden stattdessen milde Zuckertenside.
Besonderes Augenmerk verdienen die Wirkstoffe in den getesteten Anti-Schuppen-Shampoos. Climbazol, Selendisulfid und Zinkpyrithion hemmen zwar die Schuppenbildung, aber sie haben einige bedenkliche Nebenwirkungen.
Climbazol gehört zu den umstrittenen halogenorganischen Verbindungen. Allergische Reaktionen sind möglich. Auf Zinkpyrithion kann die Kopfhaut mit Jucken, Ausschlag und Entzündungen reagieren. Selendisulfid, das im Elvital Anti-Schuppen Selenium S Aktiv Shampoo steckt, wirkt sogar so aggressiv, dass Dermatologen raten, die Substanz nur für sehr ernste Fälle zu verwenden. In frei verkäuflichen Anti-Schuppen-Shampoos ist Selendisulfid nur bis zu einer Konzentration von einem Prozent erlaubt, zudem muss auf der Verpackung folgende Warnung stehen: "Enthält Selendisulfid, Kontakt mit Augen und gereizter Haut unbedingt vermeiden." Piroctonolamin hingegen wirkt wesentlich milder als die aggressiven Schuppenhemmer. Die Substanz durchdringt die Zellwand der für die Schuppenbildung verantwortlichen Hefepilze und hemmt deren Wachstum und somit die vermehrte Zellbildung. Folge: Anzahl, Größe und Dicke der Schuppen geht zurück.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
Informationen anzeigen
Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
Mehr Artikel zu diesem Themengebiet
Lederhandschuhe:
Schlechtes Hand-WerkDeos, Langzeitwirkung:
So ein MiefParfüms:
VerdufteFahrrad-Hosen:
Bein(k)leidSeifen und Syndets:
Das hat sich gewaschenVielmehr als nur BaumwolleSecond-Hand-Kleidung:
Nicht mehr zweite WahlAchtung, Duftstoffe!:
An der Nase herumgeführtMade in Germany:
Mode aus deutschen LandenNaturkosmetik:
Wo Milch und Honig fließenLeserfrage: ZungenschaberLeserfrage: Keime auf der KlobrilleLeserfrage: Ist auf Organic-Cotton-Label bei Bekleidung Verlass?Leserfrage: Tägliches Peeling?Leserfrage: UV-Schutz für gefärbte Haare? Kosmetik / Körperpflege / Mode
Online-Service für Abonnenten - ANZEIGE -
News
Auf dem Prüfstand: Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) hat der EU-Kommission empfohlen, die Regelungen für die Verwendung von Duftstoffen in Kosmetika deutlich zu verschärfen.
» News lesenDer Erzeugerverband Bioland arbeitet künftig mit der Augsburger Textilfirma Manomama zusammen.
» News lesenMit seiner Common-Threads-Initiative lädt der Outdoor-Hersteller Patagonia zum sorgsamen Konsumieren ein.
» News lesenDas Umweltbundesamt rät, nicht vorschnell zu Imprägniersprays zu greifen. Die meisten sind giftig und werden in der Natur kaum abgebaut.
» News lesenViel zu dicht getuschte Wimpern oder eine komplett glatt gebügelte Haut haben in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen gesorgt. Nun will die EU Kosmetikwerbung einschränken.
» News lesenNeuer Trend: In der Kleiderei im Hamburger Viertel St. Pauli kann frau Bekleidung leihen, die u.a. von Designern gespendet wurde.
» News lesenDie Anforderungen des Labels "Biokreis Richtlinie für Leder" gehen weit, sind aber längst nicht so detailliert wie die IVN-Richtlinien für Naturleder. Produkte nach den Biokreis-Richtlinien sind aber empfehlenswert.
» News lesenSeit März 2013 sind Körperpflegeprodukte verboten, die an Tieren getestete Inhaltsstoffe enthalten. Das Verbot stand bis zuletzt auf der Kippe.
» News lesen » mehr News anzeigen Aktuelle Themen

Haarfarben - Der schönste Haarschmuck ist eine brillante Farbe. Mit synthetischen Farben lassen sich traumhafte Ergebnisse erzielen. Weniger traumhaft ist das, was in den chemischen Kolorationen steckt. Pflanzenhaarfarben sind deshalb die bessere Wahl.
» Artikel lesen 
Made in Germany - Es gibt nicht viele Modeunternehmen, die hierzulande produzieren. Aber sie sind durchaus erfolgreich. Wir stellen einige Firmen vor, bei denen sie echte Mode "Made in Germany" bekommen.
» Artikel lesen 
Sandgestrahlte Jeans - Gebleichte Jeans gelten als schick und lässig. Doch für die Arbeiter in den Fabriken ist dieser Used Look tödlich. Das Sandstrahlverfahren, mit dem die Hosen künstlich altern, zerstört ihre Lungen. Die Textilindustrie führt die Produktion dennoch fort.
» Artikel lesen 
Achtung, Duftstoffe! - Ob Creme, Parfüm, Körperlotion oder Liftingserum - überall sind Duftstoffe im Spiel. Mit natürlichen, aus Pflanzen gewonnenen Aromen lässt sich der immense Bedarf schon lange nicht mehr decken. Daher steigen uns meist im Labor gemixte Düfte in die Nase.
» Artikel lesen » mehr Themen anzeigen