Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2009

Kindersonnenschutzmittel
Kein Lichtblick

Kinder, deren Haut besonders empfindlich auf UV-Strahlung reagiert, brauchen unbedingt ein ordentliches Sonnenschutzmittel. In unserem Test bekamen aber nur vier Marken das Urteil "sehr gut". Doch Nachholbedarf haben nicht nur die Hersteller, sondern auch die Eltern.
Kinder und Jugendliche bekommen bis zu ihrem 18. Lebensjahr, so haben Wissenschaftler ausgerechnet, vier Fünftel der gesamten UV-Strahlendosis ihres Lebens ab, zumal sie beim Spielen und Herumtoben viel mehr Zeit im Freien verbringen als Erwachsene. Und nach Daten der American Academy of Dermatology werden 80 Prozent der Sonnenschäden vor dem 18. Lebensjahr gesetzt. "Sonnenbrände im Kindesalter oder ungeschützte Aufenthalte im Süden erhöhen die Gefahr, später an Hautkrebs zu erkranken", warnt Dr. Eckhard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Der Grund: Bei Kindern ist die Haut so empfindlich, weil die Eigenschutzfunktionen noch nicht voll ausgebildet sind.
ÖKO-TEST hat 18 Sonnenschutzmittel für Kinder, vom Naturkosmetik- bis zum Discounterprodukt, eingekauft und prüfen lassen, ob wichtige Elemente der EU-Empfehlung auf den Etiketten umgesetzt sind. Zudem wurden die Mittel auf problematische und umstrittene Substanzen untersucht. Ob die Produkte den angegebenen Lichtschutzfaktor einhalten, haben wir nicht kontrollieren lassen. Zum einen sind die derzeitigen Messmethoden zu ungenau. Außerdem empfehlen wir ohnehin, den angegebenen Schutzfaktor maximal zu 60 Prozent auszuschöpfen. Schließlich erfordern solche Tests, dass die Probanden einem Sonnenbrand ausgesetzt werden, was wir für nicht vertretbar halten.
Das Testergebnis
Kein berauschendes Fazit: Drei Produkte fallen mit "ungenügend" durch. Dem gegenüber stehen nur vier "sehr gute" Mittel.
Viele Mittel enthalten UV-Filter, die in den Verdacht geraten sind, wie Hormone zu wirken. Für etliche UV-Filter haben Schweizer Wissenschaftler eine hormonelle Wirkung an Zellkulturen und teilweise im Tierversuch aufgezeigt. Eine Studie aus Japan weist nun im Zellversuch auch eine hormonelle Wirkung des UV-Filters Octocrylene nach. Wir werten UV-Filter, für die Hinweise auf hormonelle Wirksamkeit aus entsprechenden Zellversuchen vorliegen, um eine Stufe ab, Filter, deren Hormonaktivität im Tierversuch bestätigt wurde, um zwei Stufen. Die meisten Testprodukte mit bedenklichem UV-Filter enthalten den Filter Octocrylene und kassieren dafür einen Minuspunkt. In anderen Sonnenmitteln steckt der Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate, der im Tierversuch unter anderem eine hormonelle Wirkung auf den Uterus zeigte.
In drei Fällen fanden sich PEG/PEG-Derivate. Diese Stoffe, die als Emulgatoren Wasser mit Fett verbinden, können die Haut durchlässiger machen und so Fremdstoffe in den Körper einschleusen.
Einige Hersteller von konventionellen Sonnenschutzmitteln standen zum Zeitpunkt unseres Tests noch auf Kriegsfuß mit den neuen Empfehlungen der EU-Kommission. So wurde zum Beispiel ein Lichtschutzfaktor 40 angegeben, der aber gar nicht mehr in den Empfehlungen existiert. Noch weitere Mängel weist der Eucerin Kinder Intensivschutz Sonnenspray LSF 40 auf. So wird die Produktkategorie lediglich auf der Rückseite der Flasche angegeben, obwohl diese laut den Empfehlungen mindestens genauso gut erkennbar sein müsste, wie der LSF, der auf der Vorderseite abgebildet ist.
Auf Grundlage der EU-Empfehlung hat der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) sieben Hinweise formuliert. Bei einigen Produkten ist die Liste nicht vollständig. Bei Vichy Capital Soleil Sonnenschutz-Milch Für Kinder LSF 50+ ist einer der Hinweise falsch.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
Informationen anzeigen
Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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