Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik für 2009

Lipgloss
Schmollmund
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Lipgloss macht dem Lippenstift als beliebtestes Kosmetikutensil zunehmend Konkurrenz.
Am angesagtesten ist hochglänzendes Gloss. Diese Lackeffekte zaubern die Kosmetikhersteller meist mit synthetischen Filmbildnern oder Polymeren auf die Lippen.
Was aber, wenn frau Naturkosmetik bevorzugt? Denn synthetische Filmbildner oder Polymere sind nach den BDIH-Richtlinien tabu. Solches Lipgloss besteht im Wesentlichen aus Ölen, Fetten und Wachsen, die aus Naturprodukten gewonnen werden. Mit diesen Zutaten ist ein natürlicher Glanz möglich. Etwas Glimmer im Gloss lässt die Lippen zusätzlich funkeln. Und mineralische Farbpigmente wie Eisenoxid, Ultramarin oder weißes Titandioxid sowie das rote Carmin verleihen dem Lipgloss, aber auch Lidschatten oder Rouge die Farbe.
ÖKO-TEST hat 24 Lipgloss - sowohl Naturkosmetik als auch Produkte von konventionellen Herstellern - eingekauft und auf bedenkliche und umstrittene Inhaltsstoffe untersuchen lassen.
Das Testergebnis
—Fünf Marken, darunter alle zertifizierten Naturkosmetikprodukte sowie das Lipgloss von Börlind, können wir empfehlen. 13 Marken kommen leider nur mit "ausreichenden" und noch schlechteren Noten durch den Test, darunter der teuerste Lippenglänzer im Test, der Chanel Lèvres Scintillantes, 105 Sideral.
—In 18 Marken stecken Paraffine, Erdölprodukte oder SIlikone. Paraffine können sich im Körper in Organen wie der Leber oder den Lymphknoten anreichern. Das Dumme: Der Lippenstift trägt sich ab, weil man ihn quasi von den Lippen isst. Deshalb werten wir diese künstlichen Zutaten in Lippenprodukten mit zwei Minuspunkten ab. Häufig sind es die Erdölprodukte Paraffinum Liqudium oder Cera Microcristallina. Noch häufiger allerdings sind es Erdölderivate wie Polybuten (PB), Polyisobuten (PIB) oder Polyethylen (PE), die etwa zu Verpackungsfolien verarbeitet werden.
—Die Firmen Dior und Chanel wollten uns leider nicht verraten, welche Farbstoffe in der von uns getesteten Farbnuance ihrer Lipglosse stecken. Beide Firmen greifen für die Farbstoffe zu der Angabe "kann ... enthalten" oder "(+/- ...)". Diese Möglichkeit haben die Hersteller bei Lippenstiften, Lidschatten und Co., die in unterschiedlichen Farbtönen verkauft werden.
Allerdings sind die Hersteller dazu verpflichtet, auf Nachfrage mitzuteilen, welche Farbpigmente konkret in einer Farbnuance enthalten sind, es sei denn, sie berufen sich auf Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse. Dies haben beide Firmen nicht getan, dafür gab es zwei Minuspunkte.
—Für den Farbstoff Tartrazin, der als CI 19140 aufgeführt ist, kassieren vier Marken je einen Minuspunkt. Der gelbe Farbstoff steht im Verdacht, Juckreiz oder Hautausschläge zu verursachen.
—Sechs Marken enthalten umstrittene halogenorganische Verbindungen, viele Vertreter dieser Stoffgruppe gelten als allergieauslösend, manche erzeugen Krebs, fast alle reichern sich in der Umwelt an. In vier Marken handelt es sich um die Farbstoffe CI 45410 oder CI 12085. Dies sind rein chemisch erzeugte Farben und für Naturkosmetik nach den Kriterien des BDIH verboten.
—Der UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate steckt in drei Marken. Er steht im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.
—Große Mengen Diethylphthalat (DEP) kritisieren wir im Lipgloss by H&M, Exotic Grapefruits. DEP wird etwa dazu verwendet, Alkohol für Kosmetika oder Parfümöle ungenießbar zu machen. Es kann jedoch von der Haut aufgenommen werden und ihren Schutzmechanismus beeinflussen.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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