Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2009

Bier-Mischgetränke
Die Maß ist voll!
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Eigentlich sind Bierbrauer ja Traditionalisten. Sie drucken mit Vorliebe Löwen, Wappen und Kronen auf ihre Etiketten, sie verteidigen resolut eine Zutatenliste, die fast 500 Jahre alt ist. Und wer es wagen würde, den Zunftkodex von 1516, das Reinheitsgebot, infrage zu stellen, wäre in der Branche geächtet. Aber seit ein paar Jahren zeigen sich die Brauer geradezu experimentierwütig. Sie mixen Export mit Limette, Pils mit Apfel und Ingwer, Schwarzbier mit Cola, Weißbier mit Grapefruit. Mit größtem Erfolg.
Uns hat interessiert, was in den Biermischungen steckt. Wir haben 25 Getränke in Supermärkten und Bio-Läden eingekauft und untersuchen lassen: Klassische Radler, Lemon-Mischungen sowie den trendigen Schöfferhofer Grapefruit-Hefeweizen-Mix.
Das Testergebnis
Die meisten Getränke haben unseren Testern geschmeckt. Allerdings fanden die Prüfer bei einzelnen Produkten sensorische Mängel.
Wer Bier mit einer nicht allzu süßen Limonade im Verhältnis eins zu eins mischt, erhält ein Radler, in dem pro 330 Milliliter umgerechnet zirka vier Stück Würfelzucker stecken. Zwei Produkte enthalten umgerechnet mehr als sechs Stück Würfelzucker, was uns eindeutig zu süß ist.
Man sollte meinen, dass in Radlern und Lemon-Mixen in jedem Fall Teile der Zitrone stecken. Doch in unserem Test enthalten nur fünf Produkte ausschließlich natürliches Zitronenaroma beziehungsweise Fruchtauszüge. In allen anderen Getränken stecken Aromen, die zum Beispiel auch mithilfe von Enzymen oder Bakterien hergestellt sein können.
Ganz schön bunt hier: Bei den Lemon-Mixen haben die Hersteller nicht an Farbstoffen gespart. Unverständlich ist für uns, warum vier Produkte das noch wenig erforschte Chinolingelb enthalten. Bei zwei Getränken haben die Hersteller den Farbstoff Tartrazin verwendet, der Unverträglichkeitsreaktionen wie Hautausschläge und Juckreiz auslösen kann. Gar keine spritzige Idee.
Im Schnitzer Bräu German-Hirse-Lemon fand das von uns beauftragte Labor erhöhte Mengen der Schwermetalle Arsen und Nickel. Weil es keinen Grenzwert für Schwermetalle in Biermischgetränken gibt, haben wir zum Vergleich die Grenzwerte für Trinkwasser herangezogen. Demnach enthält das Produkt anderthalb mal so viel Arsen und doppelt so viel Nickel wie für Trinkwasser zugelassen ist. Weil man ein Radler aber normalerweise nicht wie Wasser trinkt, wären die Maßstäbe dieser Verordnung zu streng. Dennoch: Das giftige Schwermetall Arsen reichert sich im Körper an, dafür gibt es zwei Punkte Abzug. Nickel kann Allergien auslösen, deshalb werten wir hier um eine Stufe ab.
Beim Bavaria Russ’ Weizen-Radler besteht die Zutatenliste lediglich aus den Worten "50% Hefeweizen, 50% Zitronenlimonade". Zu wenig Information für den Verbraucher, finden wir, und werten das unter Weitere Mängel ab. Der Hersteller reichte uns auf Nachfrage aber eine ausführliche Zutatenliste nach.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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