Ratgeber Rente, Geld, Versicherungen 7: 2008
Der Verkauf von Immobilienkrediten bleibt für Bank- und Sparkassenkunden ein heißes Thema. Nachdem im vergangenen Jahr ruchbar wurde, dass Kreditinstitute klammheimlich Immobiliendarlehen an Hedgefonds und Investmentbanken verkauften und zahlreichen Kreditnehmern damit unverschuldet der finanzielle Ruin droht, soll zwar ein neues Gesetz Kunden vor solchen Praktiken besser schützen. Doch nach wie vor können Banken nicht nur notleidende Immobilienkredite an Dritte wie die berüchtigten Heuschrecken verscherbeln. "Auch Kredite von Kunden, die ihre Darlehen ordnungsgemäß bedienen, können jederzeit verkauft werden. Geschützt sind sie lediglich vor unzulässigen Zwangsversteigerungen", so Bank- und Kapitalmarkt-Rechtsexperte Hans-Peter Schwintowski, Professor an der Humboldt Universität Berlin.
Heuschrecken mischen weiter mit
Außerdem müssen Kunden jetzt über den Verkauf informiert werden. Ansonsten gilt: Ein Mitsprache- oder Kündigungsrecht beim Kreditverkauf an Dritte sowie ein Verkaufsverbot an Finanzinvestoren ohne Banklizenz gibt es auch nach neuem Recht nicht. Für Gerhart Baum von der Düsseldorfer Kanzlei Baum, Reiter & Collegen hat das weitreichende Konsequenzen. "Kreditaufkäufer ohne Banklizenz haben überhaupt kein Interesse an langfristigen Geschäftsbeziehungen. Ihnen geht es ausschließlich um das schnelle Geld", warnt der ehemalige Bundesinnenminister. Können Kunden deshalb vorübergehend ihre Raten nicht bezahlen, gäbe es bei den Aufkäufern keinen Verhandlungsspielraum. "Der Finanzinvestor wird den Vertrag kündigen und die Zwangsversteigerung veranlassen", so Baum. "Auch eine Gegenklage bringt nichts, wenn die Heuschrecken ihren Sitz im Ausland haben."
Ob solche Szenarien Realität werden, hängt vom Verhalten der Kreditinstitute ab. In der Vergangenheit jedenfalls waren Banken und Sparkassen mit Kreditverkäufen an Finanzinvestoren wie Heuschrecken weit weniger zimperlich, als sie Medien und Kunden über Pressemitteilungen, Kundeninformationen und großformatigen Anzeigen weiszumachen versuchen. Glaubt man ihren Versprechen, waren die Verkäufe regelmäßig bedienter Kredite bislang nur bedauernswerte Ausnahmen. In Wirklichkeit weist die vermeintlich weiße Weste aber bei weit mehr Kreditinstituten schmutzige Flecken auf, als bisher bekannt ist. "Es wurden definitiv nicht nur notleidende Kredite verkauft, wie Erkenntnisse von Anwälten zeigen, die auch Fälle nachweisen können, wo zum Übertragungszeitpunkt unstreitig alles bezahlt war", sagt Manfred Westphal, Referatsleiter beim VZBV. "Das betrifft sogar Institute, die immer wieder das Gegenteil behaupten." Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen in den Vorstandsetagen alles daransetzen, den öffentlichen Versprechen zuwiderlaufende Geschäftspraktiken nicht ruchbar werden zu lassen. Denn das würde das Vertrauen in die Branche immer wieder neu erschüttern.