Testberichte aus dem Archiv
Ratgeber Bauen, Wohnen, Renovieren 10: 2008

Silikon-Fugenmassen
Nicht ganz dicht
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Viele Mieter oder Eigentümer erneuern Fugen selbst und wählen dazu Produkte mit pilzhemmender Ausrüstung. Allerdings sind die Fungizide auch für den Menschen gesundheitlich nicht ganz unproblematisch und ihre Wirkung ist beschränkt, weil sie mit der Zeit auswaschen.
Silikonfugenmassen bestehen aus Kunststoffen auf Silikonbasis. Sie sind elastisch, Wasser abweisend und dichten so den Übergang von Bade- oder Duschwanne zu den Fliesen ab. Grundlage von Silikon ist Silicium, das sich mit Sauerstoff verbindet. Diese Eigenschaft wird für die Silikonfugenmasse genutzt, denn die Produkte härten erst an der Luft zu einem weichelastischen Gummi. Außerhalb der Kartusche wird gezielt ein dafür vorgesehener Inhaltsstoff - meist Essigsäure oder Alkohol - abgespalten, an dessen Stelle sich dann Sauerstoff anlagern kann. In einigen neueren Rezepturen wird Wasser als Trennmittel eingesetzt, das an der Luft verdunstet. Katalysatoren bringen diese chemische Reaktion in Gang. Üblicherweise sind das giftige zinnorganische Verbindungen in beachtlicher Konzentration. Als Alternative gilt Titan.
Wir wollten wissen, welche Schadstoffe in den Silikonfugenmassen stecken und ob die Materialien wirklich überwiegend aus Silikon bestehen oder möglicherweise mit Erdölprodukten gestreckt wurden. ÖKO-TEST hat 21 Silikonfugenmassen eingekauft und in diversen Speziallaboren untersuchen lassen.
Das Testergebnis
Der Soudal Universal Fix Silikon Öko Line schneidet mit "sehr gut" ab, immerhin drei andere Silikonfugenmassen "gut". Über drei Viertel der Produkte rauschen mit "mangelhaften" und "ungenügenden" Noten durch die Prüfung.
Die Konzentrationen an zinnorganischen Verbindungen sind in vielen Produkten mit schlechter Note sehr hoch. Das betrifft vor allem das giftige Dibutylzinn (DBT), das üblicherweise als Katalysator eingesetzt wird. DBT steht wie Tributylzinn (TBT) im Verdacht, nicht nur bei Tieren, sondern auch beim Menschen das Immun- und Hormonsystem zu beeinträchtigen.
Nur im Soudal Universal Fix Silikon Öko Line steckt keine fungizide Ausrüstung. Fast alle Sanitärsilikone sind als pilzhemmend deklariert, auf zwei Produkten stehen keine Angaben, sie wurden aber positiv getestet. In zwei Produkten wird Carbendazim als Fungizid eingesetzt, das im Verdacht steht, erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend zu sein. In vielen Silikonfugenmassen wird ein Dichlorisothiazolinon eingesetzt, das zur Gruppe der halogenorganischen Verbindungen zählt und allergische Reaktionen auslösen kann.
Primaster Sanitär Silicon und Fundamo Silikon Küche, Bad & Dusche enthalten Phthalatweichmacher, die seit 2007 wegen ihrer hormonellen Wirkung in Babyartikeln verboten sind.
Silikonfugenmassen sollten hauptsächlich aus Silikon bestehen. Denn dieser Dichtstoff ist elastisch und lange stabil. Das hochwertige Material ist relativ teuer, was wohl einige Hersteller dazu verführt, es mit billigeren Erdölprodukten zu strecken. Diese Stoffe können sich im Laufe der Zeit verflüchtigen. ÖKO-TEST ließ den mehrjährigen Gebrauch durch Erwärmung und Trocknung über 24 Stunden simulieren. Dabei verloren viele der Massen 30 bis 50 Prozent ihres Gewichts. Laut Einschätzung von Experten kann man bei Gewichtsverlusten von 30 Prozent und mehr davon ausgehen, dass das Material gestreckt wurde und sich seine Gebrauchseigenschaften damit verschlechtern. Es schrumpft, bekommt Risse und haftet nicht mehr.
Viele Produkte sind nicht als Biozidprodukt deklariert, obwohl sie pilzhemmende Wirkstoffe enthalten. Nur Henkel deklariert beide Produkte im Test diesbezüglich richtig. Einige Silikonfugenmassen tragen kein Verfallsdatum, obwohl sie nach zirka zwei Jahren aufgebraucht sein sollten.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
Informationen anzeigen
Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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