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ÖKO-TEST Juni 2008
Prozess

Prozess
ÖKO-TEST siegt zu 0 gegen Nici


Test WM-Fanartikel, ÖKO-TEST-Magazin Juni 2006

"Will der uns erpressen?", fragte Redakteurin Kerstin Scheidecker, die bei einem Gespräch nach der mündlichen Verhandlung über die einstweilige Verfügung gegen ÖKO-TEST anwesend war. Der, das ist Michael Jaffé, Insolvenzverwalter der Nici AG, die das WM-Maskottchen Goleo vertrieben hat.

Dabei hatte Jaffé versucht, uns zu einer freiwilligen Schadensersatzzahlung zu drängen. Er werde eine Schadensersatzklage erheben, denn er habe bis auf die Gerichtskosten nichts zu verlieren, erklärte Jaffé in einem Gespräch im Anschluss an eine Verhandlung über die einstweilige Verfügung vor dem Oberlandesgericht Bamberg. Dann erzählte er von einem Fall, in dem er ursprünglich ein Vergleichsangebot über drei Millionen gemacht habe, jetzt müsse der Gegner 42 Millionen zahlen. Recht unverhohlen drohte er dann: Er wisse, dass eine hohe Schadensersatzsumme ÖKO-TEST in den wirtschaftlichen Ruin treibe, zumal in der Bilanz schon für den zu erwartenden Schadensersatz Rückstellungen gebildet werden müssten. Jaffé sei jedoch bereit, die Sache außergerichtlich zu lösen.

Erpressen wollte er uns selbstverständlich nicht. Aber er hat versucht, uns so sehr unter Druck zu setzen, dass wir trotz eines nachgewiesenermaßen richtigen Untersuchungsergebnisses über den Gehalt an zinnorganischen Verbindungen Schadensersatz zahlen.

Nachdem wir uns weigerten, auf Jaffés Forderungen einzugehen, folgte die Klage. Von einem angeblichen Gesamtschaden von 3.744.623 Euro machte er in einer Teilklage 750.000 Euro geltend. Um den Druck zu erhöhen, verklagte er nicht nur ÖKO-TEST, sondern zusätzlich Chefredakteur Jürgen Stellpflug. Später drohte er, auch die Autorin des Tests, Kerstin Scheidecker, persönlich zu verklagen.

Den Schaden berechnete er aus einem geplatzten Geschäft mit Lidl. Dem Discounter wollte er kurz vor Beginn der WM den gesamten Lagerbestand an Goleos verschiedenster Größe sowie Goleo-Mäppchen, -Fotohalter und -Kissen - zusammengenommen etwa 2,3 Mio. Stück - verhökern. Am 31. Mai machte Lidl jedoch einen Rückzieher, wegen "verschiedener negativer Presseveröffentlichungen im Hinblick auf eine vermeintliche Schadstoffbelastung dieser Produkte".

Danach begann die WM, das Sommermärchen machte unerwartet auch den Goleo zu einem Verkaufserfolg. Allein während der WM seien "mindestens eine Million Maskottchen verkauft worden", berichtet die Frankfurter Rundschau. Die Netzzeitung schreibt, es "seien mehr als 700.000 Nachbestellungen eingegangen".

Laut Klageschrift ist Nici dagegen während der gesamten WM nicht ein einziges weiteres Maskottchen losgeworden. Es "blieben nach dem Ende der Fußball-WM bei der Nici AG sämtliche Goleos zurück, die ansonsten an Lidl verkauft worden wären." Das scheint mehr als unwahrscheinlich, zumal aus einem von Jaffé selbst vorgelegten Dokument hervorgeht, dass es sogar noch Wochen nach dem Ende der WM "auszuliefernde Kundenaufträge" gab.

Die Vermutung, dass irgendetwas nicht stimmt, ergibt sich auch in einem anderen Punkt. Im Laufe des Prozesses legte Jaffé den Lizenzvertrag mit der FIFA vor. Doch genau für den von ÖKO-TEST untersuchten Goleo 40 cm hatte Nici diesem Vertrag zufolge gar keine Lizenz. Später behauptete er: "Tatsächlich war die Nici AG berechtigt, die Plüschfigur Goleo insbesondere auch als 40-cm-Schlenker herzustellen und zu vertreiben." Einen Vertrag legte er jedoch nicht vor. Damit bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder es gibt keinen Vertrag oder Jaffé wollte ihn nicht vorlegen. Egal, welche der beiden Alternativen zutrifft: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Dem Ansinnen Jaffés hat das Landgericht Coburg nun einen Riegel vorgeschoben und entschieden: "Die Klage ist unbegründet, denn dem Kläger steht gegen den Beklagten schon dem Grunde nach aus keinem rechtlichen Gesichtspunkt ein Anspruch auf Schadensersatz zu." Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Außerdem darf ÖKO-TEST den zwischenzeitlich durch eine einstweilige Verfügung teilweise untersagten Test "WM-Fanartikel" wieder vollständig verbreiten. Auch wenn die WM längst vorbei ist und das Testergebnis heute wohl niemanden mehr interessiert: ÖKO-TEST ist in seiner Arbeit wieder einmal bestätigt worden.





Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.



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