ÖKO-TEST Jahrbuch Bauen, Wohnen, Renovieren für 2008
Wenn das Dach neu gedeckt, gedämmt oder innenseitig eine neue Bekleidung aufgebracht wird, dann muss mindestens ein Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von 0,3 W/(m²K) erreicht werden. Die notwendige Dämmstärke hängt von der Art des Dämmstoffes ab, doch 16 Zentimeter Dämmung braucht man in der Regel.
Es gibt viele Dämmmaterialien: mineralische Stoffe, künstliche Schäume und die große Gruppe der natürlichen Dämmstoffe. ÖKO-TEST wollte wissen, wie gut die Produkte dämmen und inwieweit mit den unterschiedlichen Dämmstoffen auch Schadstoffe ins Haus kommen. Wir schickten daher 24 Dämmstoffe, die allesamt für das geneigte Dach geeignet sind, in verschiedene Labore.
Das Testergebnis
ÖKO-TEST legte den Untersuchungen des Wärmeschutzes den Koeffizienten U = 0,2 W/(m²K) zugrunde. Dieser Dämmstandard ist heute ein durchschnittlicher Wert für einen Neubau, der aber über den Mindestanforderungen für eine nachträgliche Dachdämmung liegt. Um ihn zu erfüllen, sind je nach Testprodukt 13,5 bis 32 Zentimeter nötig. Unangefochtener Spitzenreiter ist hier das Puren dio 028 Steildachelement aus Polyurethan mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,028 W/(m²K). Je kleiner dieser Wert ist, umso besser dämmt das Material. Ausschlaggebend für den Nachweis des Wärmeschutzes sind die genormten oder zertifizierten Bemessungswerte. In diesen sind Materialschwankungen und -alterungen eingerechnet.
In Bezug auf den sommerlichen Wärmeschutz ist es egal, welchen Dämmstoff Sie wählen. Die maximalen Temperaturunterschiede, die wir mithilfe von Simulationsrechnungen ermitteln ließen, lagen im ungünstigsten Fall bei etwa einem Grad Celsius. Wie sehr sich ein Raum aufheizt, wird vielmehr von der nächtlichen Lüftung, der Lage und der Verschattung der Fenster beeinflusst, als vom Dämmmaterial.
Viermal wurden Formaldehyd/-abspalter in den von uns getesteten Proben nachgewiesen. Ob die Substanz ausdünstet, kann die von uns angewandte Testmethode nicht bestimmen.
Einige Dämmstoffe enthalten umstrittene halogenorganische Verbindungen. In Schaumdämmstoffen werden bromierte beziehungsweise phosphororganische Flammschutzmittel eingesetzt. Eine vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Studie empfiehlt, diese problematischen Stoffe zu ersetzen. Für brennbare Dämmstoffe ist jedoch eine Flammschutzausrüstung notwendig, um die baurechtliche Mindestanforderung "normal entflammbar" zu erfüllen.
Viele alternative Dämmstoffe sind deshalb mit Borverbindungen ausgerüstet. Von Fachleuten wird die ökologische Gefährdung im Vergleich mit anderen Schutzstoffen als gering angesehen. Das Umweltbundesamt empfiehlt dennoch eine Minderung, weil die tägliche Aufnahme von Bor durch die Nahrung bereits im Bereich der Toleranzwerte liegt und weitere Belastungen deshalb unerwünscht sind.