ÖKO-TEST Jahrbuch Bauen, Wohnen, Renovieren für 2008
Mit einer Raufasertapete kann man nicht viel falsch machen. Der Klassiker passt zu jedem Mobiliar, kommt nicht aus der Mode und ist einfach praktisch, denn die Tapete behält ihre Struktur auch nach mehreren Anstrichen. Das ist gerade in Mietwohnungen ein Vorteil. Außerdem lässt sich Raufaser relativ leicht wieder von der Wand entfernen.
Lediglich eine Hand voll Firmen stellen Raufasertapeten in Deutschland her. Sie vertreiben ihre Produkte auch unter Handelsmarken, das erklärt die scheinbare Vielfalt im Geschäft. Raufasertapeten bestehen aus Zellulosefasern und Holzspänen. Die Fasern stammen aus Frischzellulose oder recyceltem Altpapier. Je nach Größe der Holzspäne unterscheidet man feine, mittlere und grobe Qualitäten. Weil die Verteilung der Holzspäne auf dem Papier bei großen Holzstücken länger dauert als bei kleinen, sind sehr grobe Tapeten oft teurer als feine.
Die meisten Raufasertapeten sind mehrschichtig. Sie wirken weißer als einschichtige, weil das Holzkorn durch eine Papierschicht abgedeckt ist. Zwischen den einzelnen Schichten kann es jedoch Spannungen geben, die sich dann als sichtbare Nähte zeigen.
Wir haben zwölf Raufasertapeten eingekauft und testen lassen - und zwar nicht nur im Labor. Auch im Praxistest mussten sich die Produkte beweisen: Angehende Maler und Lackierer klebten gemeinsam mit ihrem Maler- und Lackierermeister alle Produkte mit Tapezierbürste und -walze an die Wand, testeten Nassreißfestigkeit, Handhabung beim Tapezieren und Überstreichbarkeit.
Das Testergebnis
Alle Produkte absolvierten sowohl den Schadstoff- als auch den Praxistest mit der Bestnote "sehr gut".
In keiner Raufaser stecken nennenswerte Mengen gesundheitlich relevanter Stoffe wie etwa Formaldehyd/-abspalter, halogenorganische Verbindungen oder Schwermetalle. Alle Produkte tragen den Blauen Engel - damit bestehen sie zum überwiegenden Teil aus Altpapier.
Auch im Praxistest konnten die Produkte überzeugen. Alle Tapeten ließen sich gleichermaßen gut schneiden oder reißen. Es ist also jedem selbst überlassen, ob er eine Schere oder einen Tapetenreißer benutzt. Nachdem die Tapeten den Herstellerangaben gemäß bekleistert und eingeweicht worden waren, ging es ans Tapezieren auf einem gleichmäßig saugenden Untergrund. Das funktionierte gut, mit der Tapezierbürste in der Regel etwas besser als mit der Rolle.
Alle zwölf Produkte in unserem Test klebten zudem ohne Blasen. Um die Reißfestigkeit zu testen, wurden die Bahnen anschließend wieder abgezogen. Dem hielten alle stand. Nach dem Trocknen erfolgte ein einmaliger Anstrich mit einer handelsüblichen Dispersionsfarbe. Bei allen Raufasern deckte die Farbe gleichermaßen gut.