Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2008

Bastel-/ Bürokleber
Nicht kleckern, sondern kleben
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Der findige Apotheker August Fischer hatte jahrelang an der Rezeptur für einen Alleskleber experimentiert, bis er 1932 den ersten gebrauchsfertigen Haushaltskleber auf der Basis des Kunststoffs Polyvinylacetat erfand. Noch heute kennt jeder diesen Kleber: Uhu.
Der Nachteil dieser ersten Generation der Alleskleber: Die Ausdünstungen der eingesetzten Lösemittel - sie sorgen dafür, dass der Kleber erst an der Luft aushärtet - sind gesundheitlich bedenklich.
Zum Glück gibt es seit einigen Jahrzehnten auch lösemittelfreie Flüssigklebstoffe. Die Funktion des Lösemittels übernimmt in solchen Klebern Wasser, das allerdings langsamer verdunstet.
Kleine Kinder kommen am besten mit Klebestiften zurecht, wie sie 1969 von der Firma Henkel entwickelt wurden. Die praktischen Papierklebestifte werden hierzulande aus Wasser und Seife hergestellt und sind ebenfalls lösemittelfrei.
ÖKO-TEST wollte wissen, ob man als lösemittelfrei deklarierte Bastelkleber ohne Bedenken Kindern in die Hände geben kann und schickte 15 Produkte in die Labore: Bastel-, Alles- und Vielzweckkleber und solche für den Kindergartenbedarf. Die ausgewählten Flüssigkleber sind überwiegend in Flaschen abgefüllt, weil die Anwendung für Kinder einfacher ist als die Tube. Außerdem sind noch fünf Klebestifte im Test.
Das Testergebnis
Mehr als die Hälfte der Bastelkleber sind empfehlenswert, darunter alle untersuchten Klebestifte. Die restlichen Produkte enthalten jedoch bedenkliche Inhaltsstoffe.
Nicht alle entsprechend deklarierten Bastelkleber sind auch wirklich lösemittelfrei. Aus dem Kidstick und dem Meyco Weißer Bastelkleber dünsten noch flüchtige organische Substanzen (VOC) aus.
Fünfmal haben die Labore Formaldehyd/-abspalter nachgewiesen. Diese Stoffe werden - bis auf zwei Ausnahmen - in den wasserlöslichen Flüssigklebern als Konservierungsmittel eingesetzt. Wird Formaldehyd eingeatmet, kann die Substanz Krebs erregen. Wenn sie auf die Haut gelangt, was beim Kleben vor allem bei Kindern immer der Fall ist, besteht noch der Verdacht, dass Formaldehyd Krebs erregen kann, wenn es so in den Körper gelangt. Außerdem kann der Stoff Allergien auslösen. Besonders hoch ist die Konzentration im Meyco Weißer Bastelkleber.
Zwei Bastelkleber enthalten Phthalate. Das nachgewiesene Diisobutylphthalat (DIBP) kann Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit auslösen und steht im Verdacht, hormonell zu wirken. Besonders bedenkliche Verbindungen dieser Stoffgruppe, die künftig in Kinderspielzeug verboten sein werden, stecken zum Glück nicht in den Klebern.
Die im Efco Weisser Bastelkleber und im Pritt Bastelkleber enthaltenen Glykole können vor allem Augen und Haut reizen. Harmloser ist das in fast allen Klebestiften als Weichmacher verwendete Propylenglykol, das wir nicht abwerten.
So reagierten die Hersteller
Henkel betont, dass kein Formaldehyd eingesetzt wird, sondern eine Verbindung, die erst bei einem mikrobiellen Angriff den bedenklichen Konservierungsstoff abspaltet. Dies kann jedoch auch auf der menschlichen Haut passieren. Beim Pritt Bastelkleber sieht Henkel zur Zeit keine Alternative, um die mikrobiologische Stabilität des Produkts sicherzustellen. Die Glykolderivate sind laut Anbieter erforderlich, um die Anwendung auch bei niedrigeren Temperaturen zu ermöglichen.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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