Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2008

Blasen- und Nierentees
Pipifax
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Wenn Frau dauernd rennen muss, die Blase auch nachts keine Ruhe gibt und dann unter Schmerzen und Brennen doch nur ein paar Tropfen kommen, ist vermutlich mal wieder eine Blasenentzündung schuld. Leichtere unkomplizierte Harnwegsinfektionen lassen sich selbst behandeln. Im Vordergrund steht das Durchspülen, das heißt, möglichst viel trinken, um die Bakterien auszuschwemmen. Eine solche Behandlung kann auch zusätzlich zu einer Antibiotikatherapie sinnvoll sein oder wenn der Arzt problematische Keime ausschließen kann.
ÖKO-TEST hat in Apotheken, Drogerien und Discountern 23 Arzneitees eingekauft, im Labor auf Schadstoffe untersuchen und pharmakologisch begutachten lassen. Die Mehrzahl nennt sich Blasen- und Nierentees, Anwendungsgebiete sind die "Durchspülung der ableitenden Harnwege", die "Unterstützung der Ausscheidungsfunktion der Niere" oder die "Erhöhung der Harnmenge bei Katarrhen im Bereich von Niere und Blase".
Das Testergebnis
Da lässt es sich gut spülen: Immerhin 16 Produkte erhalten "gute" Gesamturteile, vier Tees schneiden jedoch mit "ungenügend" ab.
Goldrutenkraut, Orthosiphon- und Birkenblätter, Hauhechelwurzel, Queckenwurzelstock sowie Schachtelhalmkraut wirken harntreibend. Allerdings erreichen die Tees bestenfalls ein "gut" in der Pharmakologischen Begutachtung, da sie nur laut ärztlicher Erfahrung und Anwendungsbeobachtung unterstützend bei einer Durchspülungstherapie wirken, aber keine standardisierten klinischen Studien über die Wirksamkeit bei Harnwegsinfektionen vorliegen.
Bärentraubenblätter wirken nicht harntreibend, sondern desinfizieren die Harnwege. Die Blätter enthalten Arbutin, aus dem Hydrochinon entsteht, für das nach klinischen Erfahrungsberichten eine antibakterielle Wirkung zumindest wahrscheinlich erscheint. Allerdings gehört es in eine Gruppe von Stoffen, die als krebserzeugend gelten. Wir werten Produkte mit Bärentraubenblättern daher um vier Stufen ab.
Ohne erkennbaren Nutzen bei Harnwegsinfektionen sind Süßholzwurzel, Wacholderbeeren und samenfreie Gartenbohnenhülsen.
Unter den weiteren Bestandteilen der Tees finden sich häufig eine ganze Reihe verschiedener Pflanzen oder ätherischer Öle wie Süßholzwurzel, Hagebuttenschalen, Brennnesselkraut oder Pfefferminzöl. Da sie entweder keine nachgewiesene Wirksamkeit bei Harnwegsinfektionen haben oder zu niedrig dosiert sind, um wirksam zu sein, sind sie folgerichtig auch nicht als arzneilich wirksame Bestandteile deklariert.
In fünf Produkten stecken erhöhte Mengen Pestizide, beim Kneipp Blasen- und Nieren Tee sogar mehr als erlaubt. Es handelt sich um Carbendazim, das im Verdacht steht, wie ein Hormon zu wirken und die Fortpflanzung zu schädigen.
Die meisten der untersuchten Blasen- und Nierentees tragen eine Zulassungsnummer, die auf 99 endet. Demnach liegt eine Standardzulassung vor. Individuell zugelassene Arzneimittel enden auf 00.00 und sind als höherwertig einzustufen, in unserem Test haben diese Zulassung sieben Tees.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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