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25. März 2014
Ei, Ei, Ei – der Spiegel
Der Bio-Betrug in den Medien
Ei, Ei, Ei – der Spiegel

Pünktlich vor Ostern berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe: "Von Mecklenburg aus gelangten Millionen Öko-Eier in den Handel, die den Namen nicht verdienen." Worum dreht sich die ganze Aufregung?

Zufall? Pünktlich vor Ostern berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe: "Von Mecklenburg aus gelangten Millionen Öko-Eier in den Handel, die den Namen nicht verdienen. Der Fall zeigt, wie lukrativ der Schwindel ist und wie lasch die Kontrolleure arbeiten." Prompt vermeldeten die großen Medien des Landes unter Bezugnahme auf den Spiegel-Bericht "Falsch deklarierte Bio-Eier. Mehrere Landwirtschaftsbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern stehen nun im Verdacht, herkömmliche Eier als Ökoware ausgegeben zu haben" (FAZ). "Betrugsverdacht bei Bio-Eiern" (Sächsische Zeitung). Focus online zitiert einen Sprecher des Bundesagrarministeriums mit den Worten: "Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, könnte es um Betrug in größerem Stil gehen."

Doch worum dreht sich die ganze Aufregung? Vor einem Jahr (!) verkündete Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus, dass die Eier von 12.000 Legehennen aus vier Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr unter dem Öko-Siegel vermarktet werden dürfen, weil die Hennen weniger Auslauf hatten, als die EU-Öko-Verordnung vorschreibt. Entdeckt hatte den mangelnden Auslauf übrigens ein Bürger, der die Luftbilder einiger Höfe ausgewertet und die Größe auf die Zahl der Hühner umgelegt hatte.

Damit ein Ei als Bio-Ei vermarktet werden darf, müssen die Hennen laut Bio-Verordnung mindestens vier Quadratmeter Auslauf haben. Tatsächlich gab es aber in der Bio-Verordnung lange Zeit "Auslegungsspielräume", die es den Produzenten und den Behörden erschwert haben, diese Vorgaben richtig umzusetzen bzw. zu kontrollieren. Und so berichtet die Süddeutsche Zeitung am 25. März 2014 dann auch, dass die Staatsanwaltschaft Rostock Ermittlungen wegen möglichen Betrugs bei Bio-Eiern einstellen werde. Der Grund: "Aus den Ermittlungen haben sich keine Anhaltspunkte für eine planmäßige Täuschung der Verbraucher ergeben." Dennoch drohe den betroffenen Produzenten ein Bußgeld, denn die Flächenmaßgabe von vier Quadratmetern sei bis zu 30 Prozent unterschritten worden.

Keine Frage: Wenn ein Betrieb, der seine Eier als Bio-Eier vermarktet, die geltenden Vorschriften nicht einhält, dann ist das nicht akzeptabel. Die kritisierte Erzeugergemeinschaft teilte allerdings auf ihren Internetseiten mit: "Jeder unserer Höfe in der Gemeinschaft hat die Öko-Verordnung befolgt und die Richtlinien eingehalten." Zu kontrollieren, ob das stimmt, wäre eigentlich die Aufgabe der entsprechenden Öko-Kontrollstellen. Doch offenbar gibt es hier immer noch Probleme mit der eindeutigen Auslegung der entsprechenden EU-Verordnung. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) beklagte jedenfalls gegenüber ÖKO-TEST, dass die deutschen Öko-Kontrollstellen eine eindeutige Definition und bundeseinheitliche Vorgaben für die gute Kontrollpraxis bräuchten und fordert, dass dieser Methoden-Standard von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung bundeseinheitlich festgelegt werden müsse.

Doch der Bericht des Spiegel gerät zu einem Musterbeispiel tendenziöser und unseriöser Berichterstattung, wenn man sich die konventionelle Haltung zum Vergleich vor Augen führt. Schon vor einem Jahr im ersten Bericht schrieb Spiegel online von einem "Großverfahren" um Fälle, in denen "deutlich mehr Tiere als erlaubt in Ställen zusammengepfercht wurden". Tatsächlich ging und geht es um den Freilandauslauf. Bio-Hühner haben Anspruch auf mindestens vier Quadratmeter – im Freien. Selbst wenn sie 30 Prozent weniger als vorgeschrieben hatten, standen ihnen immerhin noch 2,8 Quadratmeter zu Verfügung. Dagegen stehen Hühnern in der konventionellen Bodenhaltung gerade einmal 0,11 Quadratmeter Platz zu - im Stall.

( oet )


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Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.




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