Startseite
Facebook - ÖKO-TEST gefällt mir
Twitter @oekotest
Google+
Mobile Webseite aufrufen
oekotest.de: RSS-Feed

 
Startseite
 
 
KinderKosmetikGesundheitBauenErnährungGeldFreizeit

Übersicht Ernährung / Essen / Trinken
News aus dem Archiv
19. Februar 2013
Essen ist Pfertig? Politik ist Pfertig!
Essen ist Pfertig? Politik ist Pfertig!

Pferdefleisch-Skandal

Wenn in etwa einer Woche das Thema Pferdefleisch aus den Schlagzeilen verschwunden und die Sicht nicht mehr durch Aktionismus und Aktionspläne vernebelt ist, könnte die Suche nach den eigentlichen Ursachen für die immer wiederkehrenden Fleisch- und Lebensmittelskandale beginnen.

Eine gängige Erklärung lautet: Die niedrigen Preise für Lebensmittel fordern Betrügereien wie die Beimischung von billigem Pferde- zu teurem Rindfleisch geradezu heraus. Mag sein, dass den einen oder anderen Hersteller die pure Existenzangst dazu treibt. Doch beleuchten wir diese Erklärung einmal aus der umgekehrten Richtung. Nehmen wir an, alle Lebensmittel wären doppelt oder gar dreimal so teuer. Dann würde sich die Panscherei doch noch mehr lohnen, es gäbe damit viel mehr zu verdienen.

Die Verantwortung für die zu niedrigen Preise wird gerne den Verbrauchern zugeschoben. Sie tragen sicherlich dazu bei, weil sie zwar kein Fleisch aus tierquälerischen Fleischfabriken wollen, aber zu Hähnchenbrust für 2,99 Euro das Kilo greifen. Doch der Rat, Fleisch nur noch beim Metzger des Vertrauens oder beim Bauern vor Ort zu kaufen, führt nicht weiter. Nicht nur, weil es in den Städten, in denen die meisten Deutschen wohnen, keine Bauern gibt und es ökologisch keinen Sinn macht, mit dem Porsche Cayenne zum 50 Kilometer entfernten Hofladen zu fahren. Der Metzger des Vertrauens wird in der Regel von den großen Fleischwerken mit Schweine- und Rinderhälften beliefert.

Um nicht missverstanden zu werden: Es macht durchaus Sinn, beim Lebensmitteleinkauf nicht allein auf den Preis, sondern auf saisonal, regional, bio zu achten und darauf, dass die Produkte wenig verarbeitet, also nicht aus unbestimmbaren Zutaten zusammengemixt sind. Doch wenn sich grundlegend etwas ändern soll, müssen sich die Rahmenbedingungen ändern.

Dafür ist die Politik zuständig - und die ist pfertig. Nicht, weil der Aktionsplan von Ilse Aigner ebenso schnell in Vergessenheit geraten wird wie fast alle Aktionspläne, die die Verbrauchte Ministerin nach Skandalen aus dem Hut gezaubert hat. Die Politik ist pfertig, weil sie sich weigert, aus Erfahrungen zu lernen.

So wurde im Zuge der BSE-Krise im Jahr 2001 eine Kennzeichnungsverordnung für Rindfleisch beschlossen. Sie schreibt vor, dass auf einem Rindersteak - egal ob es beim Metzger oder beim Discounter verkauft wird - deklariert werden muss, wo das Kalb geboren, wo es gemästet, wo das Rind geschlachtet und wo es zerlegt wurde. Das sollte für Transparenz sorgen und verhindern, dass in der damaligen BSE-Hochburg England gemästete Rinder unerkannt in andere Länder verschoben werden.

Allerdings gilt die Verordnung nur für unverarbeitetes Rindfleisch. Schon wenn das Steak mariniert ist, müssen die Verbraucher nicht mehr informiert werden. Einen sachlichen Grund gibt es dafür nicht, hier müssen mächtige Lobbyisten für Intransparenz gesorgt haben.

Wenn die Politik - europaweit - nicht so pfertig wäre, hätte sie auch aus der Öko-Verordnung lernen können. Bei Bio-Produkten sorgt ein engmaschiges Kontrollsystem dafür, dass Unregelmäßigkeiten und Betrügereien viel schneller auffallen als in der konventionellen Landwirtschaft. Zudem zeigt die Aufarbeitung von Skandalen im Biobereich (die sich nicht 100prozentig verhindern lassen, weil das Geld, das mit Bio-Produkten zu verdienen ist, kriminelle Energie anzieht), dass Probleme nicht durch Fehler im System entstehen, sondern weil das Kontrollsystem bewusst umgangen wird. Trotzdem werden im Bio-Bereich Probleme überwiegend durch die Akteure selbst entdeckt und öffentlich gemacht.

Wie pfertig Politik tatsächlich ist und wie ergeben sie den Teilen der Landwirtschaftslobby dient, die an Transparenz kein Interesse hat, hat Ilse Aigner im April 2011 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Damals erklärte sie vollmundig: "Eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung (für alle Fleischarten) ist nicht machbar". Dabei hatte Clemens Tönnies, Inhaber eines der größten Fleischkonzerne Europas, bereits das Rückverfolgungssystem ftrace (www.ftrace.de) entwickeln lassen. Mit ftrace kann genau festgestellt werden, von welchem Bauernhof das Grillkotelette, das Fleisch in der Lasagne oder den Ravioli stammt (Verbraucher benötigen lediglich ein Smartphone oder einen Computer, bekommen aus datenschutzrechtlichen Gründen nur den Ort angezeigt, in dem der Bauernhof liegt, die Überwachungsbehörden erfahren im Krisenfall auch den konkreten Erzeuger).

Während die EU bis 2014 noch untersuchen will, ob die Kennzeichnungsvorschriften für Rindfleisch auch auf Schwein und andere Fleischarten übertragbar sind, nutzen inzwischen auch andere große Fleischkonzerne ftrace. Die ersten mit dem System rückverfolgbaren Produkte gab es übrigens bei den Discountern Aldi und Lidl. Denn sie haben wie Tönnies erkannt, dass sie auf Dauer nur Geschäfte machen können, wenn ihnen die Verbraucher vertrauen, wenn Transparenz und Offenheit herrschen. Von dieser Erkenntnis ist die (deutsche) Politik offenbar noch weit entfernt.

Apropos Transparenz und Rückverfolgbarkeit: "Essen ist Pfertig" ist nicht meine Erfindung. Wir konnten den Slogan bis zur Heute-Show des ZDF rückverfolgen.

( Jürgen Stellpflug )

Links

Flattr this
Hier können Sie unsere Arbeit freiwillig unterstützen:

Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

Informationen anzeigen

Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.




Mehr Artikel zu diesem Themengebiet
Testbericht
Discounter, Preiskampf im Lebensmittelhandel
Testbericht
Senf: Bitte ohne Gen-Technik!
Testbericht
Haferflocken: Rückstände inklusive
Testbericht
Öle, hochwertige: Enttäuschend
Testbericht
Senf: Jetzt ist GENug
Testbericht
Honig: Kein Honigschlecken
Testbericht
Apfelmus: Das geht ins Mark
Testbericht
Vegane/Vegetarische Lebensmittel: Quer durch den Garten
Testbericht
Haferflocken: Rückstände inklusive
Testbericht
Nüsse und Ölsaaten: Eine harte Nuss

Wasserfußabdruck: Das virtuelle Wasser
Goldgrube "Saatgut"
Rezeptdatenbanken: Das Internet, der Hilfskoch
Ernährungsberatung: Alles Lüge?: Getarnte Werbung
Gute Beispiele: Eine zweite Chance für Lebensmittel

Leserfrage: Agavendicksaft
Leserfrage: La Plata Mais
Leserfrage: Joghurt mit Magermilchpulver
Leserfrage: Kakaoersatz Carob
Leserfrage: Noch Vitamine im Eintopf?
 Ernährung / Essen / Trinken
TestberichteNachwirkungenThemenNewsLeserfragen
Online-ShopGewinnspielHefteServiceImpressum
ÖKO-TEST Dezember 2014
Online-Service für Abonnenten
 - ANZEIGE -
<b>HARO Parkett & Laminat ist wohngesund, nachhaltig und Made in Germany. Natürlich mit Blauem Engel!</b>
HARO - Endlich Zuhause
HARO Parkett & Laminat ist wohngesund, nachhaltig und Made in Germany. Natürlich mit Blauem Engel!
 News
+ + + 19. Dezember 2014 + + +
Gefragt – geantwortet: Ich habe ein Salz gekauft, das mehrere Millionen Jahre alt ist. Auf der Rückseite steht das Mindesthaltbarkeitsdatum: 2018. Wie erklärt sich dieser Unsinn? » News lesen
+ + + 12. Dezember 2014 + + +
Von einem Trend zu geringeren Belastungen von Saatgut mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) kann keine Rede sein. Das zeigen Untersuchungen der Überwachungsbehörden am Beispiel Maissaatgut. » News lesen
+ + + 05. Dezember 2014 + + +
Was ist eigentlich Sonnenblumenprotein? Das weiße Pulver aus dem Pressrückstand von Sonnenblumenkernen wird zur Anreicherung von veganen Fleischwaren, Backerzeugnissen und Mayonnaisen genutzt. » News lesen
+ + + 02. Dezember 2014 + + +
Verbrauchertäuschung: Wer einen Salat mit Meeresfrüchten oder eine Pizza frutti di mare bestellt, der erwartet Krabben, Muscheln und Tintenfische. Doch nicht immer bekommt er die. Häufig werden preiswertere Surimi beigemischt. » News lesen
» mehr News anzeigen


Tweets von @oekotest


 Aktuelle Themen
Auf Geschmack getrimmt
Auf Geschmack getrimmt - Fertiggerichte kommen in vielen deutschen Haushalten regelmäßig auf den Tisch. Damit die Produkte appetitlich aussehen und Geschmack haben, setzt die Lebensmittelindustrie auf eine Fülle an Zusatzstoffen. » Artikel lesen
Honig
Honig - Wir haben neunzehn verschiedene Honigsorten getestet - darunter Bio-Honigprodukte und Honig. Das Ergebnis war bunt angereichert und reichte von "sehr gut" bis "nicht verkehrsfähig". » Artikel lesen
Lebensmittel aus dem Supermarkt
Lebensmittel aus dem Supermarkt - Das Lebensmittelangebot in konventionellen und Bio-Supermärkten ist groß, doch wie steht es um die Qualität? Unser Test zeigt: Kein Laden konnte rundum überzeugen. Insgesamt haben wir sechs Ladenketten und davon jeweils fünf gleiche Produkte getestet... » Artikel lesen
Wege aus der genetischen Sackgasse
Wege aus der genetischen Sackgasse - Blauwschokker, Ochsenhörner oder Fuzzy Wuzzy: So exotisch können die Namen von Erbsen, Rüben oder Buschtomaten aus Bio-Saatgut klingen. Unterscheiden sie sich von knallig beworbenen Industrieprodukten? Und ob. » Artikel lesen
» mehr Themen anzeigen

  An den Seitenanfang gehen
ÖKO-TEST vorbeugender Verbraucherschutz seit 1985 - unabhängig, objektiv, wissenschaftlich
ÖKO-TEST Dezember 2014
ÖKO-TEST Dezember 2014

Preis: 4.50 €

» Inhalt anzeigen
» Heft kaufen
» Abo / ePaper
Spezial Einrichten
Spezial Einrichten

Preis: 5.00 €

» Inhalt anzeigen
» Heft kaufen
Spezial gesunde Haut
Spezial gesunde Haut

Preis: 5.00 €

» Inhalt anzeigen
» Heft kaufen
Das Kleinkinder-Super-Paket
Das Kleinkinder-Super-Paket

Preis: 29.80 €

» Paket kaufen
Spezial Kinderkrankheiten
Spezial Kinderkrankheiten

Preis: 5.00 €

» Inhalt anzeigen
» Heft kaufen
Das Rund ums Haus-Super-Paket
Das Rund ums Haus-Super-Paket

Preis: 19.80 €

» Paket kaufen
Bereiche & Rubriken
Kinder / Familie
Kosmetik / Mode
Gesundheit / Medikamente
Bauen / Wohnen
Essen / Trinken
Geld / Versicherung
Freizeit / Technik / Tiere


Aktuelles
Hefte im Überblick
Neueste Tests
ÖKO-TEST Verlag
Wir über uns
Kontakt
Impressum
Jobs bei ÖKO-TEST
Fragen zu ÖKO-TEST
Label-Verstöße
Unsere Testverfahren
Investor Relations


Presse
Presse / Handel
Unsere Services
Datenschutz
Service
Newsletter
RSS Feed


Abonnenten
Download-Service
Media
Mediadaten
ÖKO-TEST Label
MUM Kundenzeitung


social media
Gewinnspiel
facebook
twitter
google +
Forum


Online-Shop
Neue Hefte im Shop
Print-Abo
ePaper-Abo
ePaper-Ausgaben
Sparpakete
ARCHIV DVD



© ÖKO-TEST Verlag GmbH, Frankfurt am Main