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21. September 2012
Die Nanotechnologie
Problemfall Nanosilber
Problemfall Nanosilber

Sauber, hygienisch und rein! Oder?

Statt mit einem Nano-versilberten Gerät wäre Hygienebewussten mit einem simplen Ratschlag geholfen: Einfach öfter mal die Hände waschen.


Wer so telefoniert, soll nicht nur im Gespräch, sondern auch gesund bleiben wollen: Keime und Bakterien hätten "keine Chance", wirbt der koreanische Elektronikkonzern Samsung für sein Modell E620, ein Klapphandy mit Nanosilberbeschichtung. Dies sehe nicht nur schick aus, preist das Unternehmen, sondern halte das Gerät auch keimfrei - "egal, wo sie es hinlegen oder wie viele Hände es anfassen".

Das schmutzresistente Mobiltelefon ist kein Einzelfall. Immer mehr Produkte werden damit beworben, dank Nanosilber sauber, hygienisch und rein zu sein. Im Angebot sind Putztücher und Wurstdosen aus Kunststoff, Sportbekleidung und Socken, die angeblich nicht mehr nach Schweiß riechen, dazu keimfreie Kühlschränke, Waschmaschinen oder Computertastaturen. Von Zahnbürsten heißt es, die Beschichtung der Borsten mit Nanosilber verlängere die Lebensdauer. Wer im Internet stöbert, findet sogar silberhaltige Schaumkondome für Frauen oder Fingerlinge, mit denen Säuglingen das Zähneputzen schmackhaft gemacht werden soll.

Silber, das zeigen solche Beispiele, ist das derzeit mit Abstand am verbreitetsten eingesetzte Nanomaterial. Rund 250 bis 300 Produkte in allen Lebensbereichen sind Schätzungen zufolge erhältlich, wobei wegen der fehlenden Kennzeichnungspflicht nicht immer klar ist, ob es sich tatsächlich um Nanosilber handelt, also Partikel, die kleiner als 100 Nanometer sind. Genaue Angaben der Hersteller dazu, ob tatsächlich Nanopartikel oder aber metallisches Silber, Salze und Ähnliches eingesetzt werden, sind die Ausnahme. Gelegentlich verschwinden Verweise auf die Verwendung von Nanosilber sogar wieder aus der Werbung, wie bei einer im Jahr 2005 noch auf diese Weise angepriesenen Waschmaschine.

Euphorie und Sauberkeitswahn
Dass ausgerechnet Silber derart verbreitet eingesetzt wird, hat seinen wichtigsten Grund in einem um sich greifenden Hygienebedürfnis. Silber ist für seine antimikrobielle Wirkung bekannt. In verschiedenen Formen wird es seit Langem für medizinische Zwecke eingesetzt: Bei dem gegen Warzen angewendeten "Höllenstein" etwa handelt es sich um Silbernitrat. Von diesem Nimbus als Naturprodukt zehren die Hersteller der Nanosilberprodukte ebenso wie von Versprechungen, die mit der Nanominiaturisierung einhergehen. Wegen ihrer im Verhältnis zum Volumen sehr großen Oberfläche sondern die Nanopartikel über einen deutlich längeren Zeitraum die für die bakterientötende Wirkung wichtigen Silberionen ab. Ausdauernde Helfer für den Drang nach Reinlichkeit - für viele Kunden ist das ein schlagendes Argument. "Nanoeuphorie und Sauberkeitswahn", sagt Wilfried Kühling, Chef des wissenschaftlichen Beirats beim BUND, "sollen den Markterfolg sichern."

Die Umweltorganisation sieht die stetig um sich greifende Verwendung von Nanosilber freilich skeptisch: Sie fordert ein Moratorium für dessen Anwendung in Alltagsprodukten. Und sie ist mit ihrer Kritik nicht allein. Das Umweltbundesamt (UBA) erklärt, man halte den Einsatz des Materials in Putztüchern oder Strümpfen für "problematisch"; die Nano-Kommission der Bundesregierung mahnt, aus Umweltschutzgründen solle der Eintrag von Nanosilber in die Umwelt "vermieden werden".

Auf Skepsis und Ablehnung stößt die "Versilberung" vieler Produkte im Wesentlichen aus drei Gründen. Zum einen wird darauf hingewiesen, dass Silber nicht nur ein Edelmetall, sondern auch giftig ist und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als toxische Substanz gelistet ist. Studien verweisen auf eine schädigende Wirkung für die Jungstadien von Lebewesen; in Tierexperimenten traten Schäden an Haut- und Leberzellen auf.

Zwar wird in dem Papier des Wiener Gesundheitsministeriums auch angemerkt, dass viele Auswirkungen noch sehr wenig erforscht sind und bisher weder Dosis-Wirkungs-Beziehungen noch Schwellenwerte bekannt seien. Gleichwohl solle aber jede "zusätzliche Belastung mit Silber vermieden werden". Auch der BUND, der dem Nanosilber eine eigene Broschüre gewidmet hat, räumt ein, das Wissen über dessen Wirkungen auf die menschliche Gesundheit sei noch "sehr begrenzt"; die wenigen vorliegenden Studien gäben aber "Grund zur Besorgnis".

Nanosilber in der Kläranlage
Bedenken ruft zudem eine zunehmende Anreicherung von Silber in der Umwelt hervor. Wenn etwa die Nanosocken in der Waschmaschine Silberpartikel absondern, gelangen diese mit dem Abwasser in Kläranlagen und hemmen womöglich dortige biologische Vorgänge oder sie werden im Klärschlamm auf Äcker ausgebracht - mit unklaren Folgen für Bodenorganismen. Nanotechnologiebefürworter halten solche Sorgen für übertrieben; die Regensburger Firma RAS Materials GmbH, Hersteller der nanosilberhaltigen AgPURE-Farben, verweist auf eine Studie, der zufolge 95 Prozent des Silbers im Klärprozess eliminiert wird - mehr als bei vielen Pharmaka und Schwermetallen. Kritiker halten die Schadwirkung des Nanosilbers in Kläranlagen und Ackerböden dennoch weiter für "unzureichend erforscht".

Gewichtigster Einwand gegen die verbreitete Anwendung von Nanosilber in Unterhemden, Plastikschneidbrettern oder Antifaltencremes ist schließlich, dass mit derlei zweifelhaften Anwendungen, die manche schlicht für Tand halten, gerade der Glanz des Edelmetalls getrübt, sprich: dessen antimikrobielle Wirkung untergraben wird.

In Krankenhäusern wird diese bei silberbeschichteten Kathetern ebenso geschätzt wie in Verbänden für Verbrennungsopfer oder bei der Bekämpfung multiresistenter Keime. Durch die großflächige und niedrig dosierte Anwendung in Konsumprodukten könnten Bakterien jedoch Resistenzen entwickeln, mahnen Fachleute; es drohe die Gefahr, dass dieses "nicht mehr als wichtige Waffe gegen pathogene Keime (...) verfügbar wäre", heißt es in der Studie.

Ob derlei Einwände fruchten, bleibt abzuwarten. Gesetzliche Regelungen sind nicht in Sicht. Beobachter stellen immerhin fest, dass Nanosilber hierzulande in Lebensmittelverpackungen oder Kosmetika noch deutlich zögerlicher eingesetzt wird als in Japan oder den USA. In Europa findet es sich bisher oft bei antibakteriellen Beschichtungen von Geräten wie dem Klapphandy für Hygienebewusste. Dabei wäre denen statt mit einem versilberten Gerät auch mit simplen Ratschlägen geholfen: Einfach öfter mal die Hände waschen!

( oet )





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