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17. Mai 2013
Gift für die Ohren
Krankheiten in Industrieländern
Krankheiten in Industrieländern

Mehr Medikamente bei Lärm

Rund um lärmende Flughäfen werden deutlich mehr Medikamente gegen Bluthochdruck verschrieben.


Auch andernorts lässt sich der Lärmpegel an den Rezepten ablesen, die in den Apotheken eingelöst werden: Studien, wie sie etwa am Flughafen Köln-Bonn durchgeführt wurden, belegten eine deutlich häufigere Verordnung von Medikamenten gegen Bluthochdruck. Auch Mittel gegen Herz-Kreislauf-Probleme und, vor allem bei Frauen, gegen Depressionen werden in lauten Gegenden häufiger verschrieben. Lärm, diese Erkenntnis ist unter Medizinern mittlerweile unumstritten, macht krank. Eine dänische Studie ergab, dass Straßenlärm das Risiko für Schlaganfälle steigert. Eine Studie namens "HYENA", für die an europäischen Großflughäfen geforscht wurde, bestätigte ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck. Ein Anstieg des nächtlichen Krachs um zehn Dezibel erhöht demnach das Erkrankungsrisiko um 14 Prozent.

Es sind etliche der in den Industrienationen am stärksten verbreiteten Krankheitsbilder, die von Experten direkt mit Lärm in Verbindung gebracht werden. Martin Kaltenbach, der zum Thema Fluglärm forschte, schrieb im Oktober 2011 im Deutschen Ärzteblatt, starker Lärm führe "nicht nur zu Belästigungen, Schlafstörungen, Gehörschäden und der Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit". Zu den Folgen gehörten auch das "vermehrte Auftreten von Hypertonie, Herzinfarkt und Schlaganfall". Nächtlicher Lärm ist dabei noch kritischer als hohe Pegel am Tage. Der Grund: Erholungsphasen werden gestört, körperliche Reserven erschöpft.

Eine Million Jahre beeinträchtigt
Wie sehr die Gesundheit der Bewohner vor allem in den industrialisierten Ländern mit ihrem hohen Verkehrsaufkommen durch Lärm in Mitleidenschaft gezogen wird, verdeutlicht eine Bilanz der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie unternimmt den Versuch, die "gesundheitlich beeinträchtigten Lebensjahre" für alle EU-Bürger zu summieren. 61.000 gesunde Lebensjahre gingen diesen durch lärmbedingte Herzerkrankungen verloren, 903.000 Jahre durch Schlafstörungen. Insgesamt büßen sie über eine Million gesunder Lebensjahre durch Lärm ein. Jeder Dritte ist tagsüber durch Krach gestresst, jeder Fünfte klagt wegen des zu lauten Verkehrs über Schlafstörungen. Der Verkehrslärm sei, so das Fazit, das zweitgrößte Risiko für die Gesundheit nach der Luftverschmutzung - quasi Gift für die Ohren. Zsuzsanna Jakab, Leiterin der Europa-Abteilung der WHO, spricht von einer "echten Bedrohung für die öffentliche Gesundheit".

Die Dauerbeschallung wirkt sich allerdings auch in anderen Bereichen negativ aus. Studien zeigen, dass Kinder, die in von Fluglärm belasteten Gegenden zur Schule gehen, später lesen lernen. Auch die finanziellen Auswirkungen des Lärms sind nicht unerheblich: Gebäude, die an lauten Fernstraßen oder in Einflugschneisen liegen, verlieren oft dramatisch an Wert. Auf 40 Prozent beziffern Anwohner die Einbußen in der Nähe des Leipziger Flughafens: "Schon aus dem Grund können wir nicht verkaufen und wegziehen", sagt Thomas Pohl, der sein Haus noch nicht einmal abbezahlt hat. Unter Berücksichtigung solcher Wertverluste beziffert der "Arbeitsring Lärm" der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) die Gesamtschäden durch Verkehrslärm auf zehn Milliarden Euro.



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Inhaltsverzeichnis

» Übersicht
» Ein weit verbreitetes Problem - Vor allem der Verkehr nervt
» Störende Wirkung ... - hängt teils vom eigenen Empfinden ab
» Krankheiten in Industrieländern
» TA Lärm - Die Industrie als Vorbild
» Immer mehr Autos unterwegs - Über 40 Millionen Lärmquellen
» Anwohner protestieren - Sie wollen ein Nachtflugverbot
» Die Politik - Keine Höchstwerte im Programm
» Die Finanzierung - Wenig Geld für Kampf gegen Lärm
» Ein Bündel an Maßnahmen - Tempolimit würde helfen

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