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17. Mai 2013
Gift für die Ohren
Ein weit verbreitetes Problem
Ein weit verbreitetes Problem

Vor allem der Verkehr nervt

Die Mehrheit der Deutschen fühlt sich durch Lärm belästigt. Vor allem Verkehrsgeräusche sind ein verbreitetes Problem.


Der Angriff auf die Ohren beginnt abends um halb elf. "Dann wird der Himmel aufgeschlossen", erzählt Thomas Pohl. Der Endvierziger wohnt in einer Siedlung im Norden von Leipzig: Viele Reihenhäuser, umgeben von weiten Feldern und einem See. Es könnte eine ländliche Idylle sein, läge nicht drei Kilometer weiter westlich der Flughafen Halle-Leipzig. Die Posttochter DHL betreibt dort ihr europäisches Frachtdrehkreuz. Hier werden Autoteile, Elektrogeräte und Pakete aus aller Welt umgeschlagen - Nacht für Nacht. Vor Mitternacht landen die gelben Paketflieger, vor dem Morgengrauen heben sie wieder ab. Über Pohls Haus donnern sie in 300 Meter Höhe hinweg.

Als sich Familie Pohl Ende der 90er-Jahre für den Umzug aufs Land entschied, lockte sie nicht zuletzt die Aussicht auf Stille: "Das lauteste, was wir hören würden, sollte das Pappellaub sein", erinnert sich Pohl an damalige Versprechungen. Das Laub raschelt auch heute noch - tagsüber. Dann liegt der Flughafen weitgehend verwaist; nur selten landet einmal ein Passagierflugzeug. Allabendlich aber bricht ein infernalischer Lärm los - an Schlaf ist kaum zu denken, trotz eingebauter Schallschutzfenster. Manchmal flieht Pohl in den Keller, manchmal zu Verwandten. Dort, sagt er, "merke ich, dass das Leben nicht nur aus Lärm besteht".

Pohls Fall mag extrem sein, eine Ausnahme ist er nicht. Lärm ist in der Bundesrepublik allgegenwärtig - und ein notorisches Ärgernis. Jeder zweite Mensch in Deutschland fühlt sich durch Lärm gestört und belästigt. Das ergab eine vom Umweltbundesamt (UBA) durchgeführte Befragung. Vor allem Verkehrsgeräusche sind ein verbreitetes Problem: Flugzeuge starten und landen tosend, Güterzüge kreischen, Lastwagen brettern durch Ortskerne, dicke Autos dröhnen durch Wohngebiete. Doch auch andere Geräuschquellen zerren an den Nerven: Presslufthämmer donnern, Laubbläser röhren, Handys klingeln. In jedem Geschäft plätschert Musik aus Lautsprechern, in der Bahn puckern Bässe aus Kopfhörern, in der Nachbarwohnung wird angestrengt Geige geübt. Und sucht der Lärmgeplagte in freier Natur Erholung für die gestressten Ohren, findet er sich womöglich unter einem Windrad. Stille? Pustekuchen. Stattdessen zischt es unablässig: Pfffft, pfffft, pffffft.



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Inhaltsverzeichnis

» Übersicht
» Ein weit verbreitetes Problem
» Störende Wirkung ... - hängt teils vom eigenen Empfinden ab
» Krankheiten in Industrieländern - Mehr Medikamente bei Lärm
» TA Lärm - Die Industrie als Vorbild
» Immer mehr Autos unterwegs - Über 40 Millionen Lärmquellen
» Anwohner protestieren - Sie wollen ein Nachtflugverbot
» Die Politik - Keine Höchstwerte im Programm
» Die Finanzierung - Wenig Geld für Kampf gegen Lärm
» Ein Bündel an Maßnahmen - Tempolimit würde helfen

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