Land Grabbing
Verantwortungsvolles Investieren

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Kein Siegel gegen Landraub
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Landraub entwickelt sich aus Sicht von Beobachtern in Lateinamerika und der Karibik als größte Hürde bei der eigenen Versorgung mit Lebensmitteln. Foto: GRAIN
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Auch deutsche Finanzunternehmen beteiligen sich an Landnahmen. Eine im Oktober 2010 vorgelegte, im Auftrag von FIAN erarbeitete Studie führt allein 19 spezialisierte Fonds auf, die nur im Agrarsektor investieren. Die meisten seien 2007 und 2008 aufgelegt worden. Sie investierten insgesamt 4,5 Milliarden Euro. Aufgeführt werden zudem Beteiligungsgesellschaften sowie börsennotierte Firmen, die Land im Ausland besitzen.
Für Schlagzeilen sorgte eine Beteiligung der Deutsche-Bank-Tochter DWS, die mehrere offene und geschlossene Fonds aufgelegt hat. Durch die FIAN-Recherchen wurde bekannt, dass sie auch Aktien des thailändischen Zuckerkonzerns KSL besaßen, der für die Vertreibung von Bauernfamilien in Kambodscha verantwortlich war. Auf einen TV-Bericht hin kündigte DWS zunächst eine Überprüfung an und trennte sich im Frühjahr 2011 sogar von der Beteiligung. Bei FIAN geht man davon aus, dass es weitere derartige Fälle gibt. Allerdings, räumt Referent Roman Herre ein, fehlten die Kapazitäten, "um jeden Investor unter die Lupe zu nehmen".
Zuletzt warf OXFAM dem Versicherungskonzern Allianz gigantische Spekulation mit Nahrungsmitteln vor. Laut OXFAM-Studie legte die Allianz 2011 geschätzte 6,242 Milliarden Euro in fünf Fonds direkt oder indirekt in Agrarrohstoffen an. Dahinter folgt die Deutsche Bank mit knapp 4,6 Milliarden Euro. Im weltweiten Markt, den Analysten auf rund 70 Milliarden Euro schätzen, kämen allein diese beiden Geldinstitute auf einen Anteil von rund 14 Prozent. Die Allianz hat seit 2008 das Kapital, das in Agrarrohstoffen anlegt wird, mehr als vervierfacht. Der Versicherungskonzern wies die Vorwürfe zurück, ein Ausstieg stehe zurzeit aber nicht zur Debatte. Man investiere weniger als ein Prozent seiner Anlagen in Nahrungsmittelderivate.
Ob sich auch andere Fonds an Landraub beteiligen und welche das sind, sei für Kleinanleger kaum ersichtlich, sagt FIAN-Referent Herre: "Das ist schwierig bis unmöglich." Er rät daher, kein Geld in dem Bereich anzulegen. Kriterien für verantwortungsvolles Investieren gebe es nicht, ergänzt der Berliner Wissenschaftler Thomas Fritz. Versuche, ein entsprechendes Siegel einzuführen, hätten bisher keinen Erfolg gehabt.
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