Land Grabbing
Offiziell begrüßt

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Schwung für die darbende Landwirtschaft
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In Afrika werden große Flächen aufgekauft, um Pflanzen wie Zuckerrohr anzubauen, die für die Gewinnung von Agrotreibstoffen verwendet werden. Das Land fehlt den Einheimischen für den Anbau eigener Lebensmittel. Foto: Christof Krackhardt/Brot für die Welt
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Trotz der nicht selten unerquicklichen Auswirkungen auf die Landbevölkerung werden die Landkäufe in vielen Entwicklungsländern offiziell begrüßt - mit der Begründung, dass so der darbenden Landwirtschaft Schwung verliehen werde. Auch Organisationen wie die Weltbank verweisen gern auf den Kapitalmangel und die niedrige Produktivität in der Landwirtschaft der meisten wenig entwickelten Länder. Sie rechnen vor, dass in den Ländern südlich der Sahara im Jahr 2008 von einem Hektar Ackerfläche nur 1.230 Kilogramm Weizen geerntet wurden; der weltweite Durchschnitt lag bei 3.707 Kilogramm. "Wenn die Welt das Ziel erreichen will, Armut und Hunger bis 2015 zu halbieren, müssen die Entwicklungsländer die Produktivität ihrer Landwirtschaft deutlich steigern", heißt es in einem im September 2010 veröffentlichten Weltbankpapier über das "weltweit wachsende Interesse an Ackerland".
Ein Grund für die mangelnde Produktivität ist nach Ansicht der Finanzorganisation fehlendes Geld: Die Weltbank spricht von einer "andauernden Unterinvestition". Diese hat Gründe, heißt es in einer Analyse des indischen Autors Shambu Ghatak. Er verweist darauf, dass öffentliche Ausgaben für die Landwirtschaft in Südostasien ebenso dramatisch gesunken seien wie die Entwicklungshilfe in diesem Bereich. Dies "öffnet den Weg für die Privatwirtschaft, um im Agrarsektor zu investieren". Dass mehr Geld in den Agrarsektor fließen muss, betont selbst die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO: Die privaten Investitionen in den am wenigsten entwickelten Ländern "müssen um 50 Prozent steigen, wenn eine Weltbevölkerung von neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 ernährt werden soll", heißt es in einem Papier.
Fraglich ist aber, ob Großinvestitionen der richtige Weg sind, um ländliche Entwicklung in wenig entwickelten Ländern voranzutreiben. Kritiker merken an, dass in vielen der Länder, die den Golfstaaten als "Agrarexklaven" dienen oder in denen Energierohstoffe für europäische Autos angebaut werden, die heimische Bevölkerung hungert. In Äthiopien etwa baut laut der Organisation "Brot für die Welt" ein deutscher Investor auf rund 13.000 Hektar Energiepflanzen an. Derweil sind 41 Prozent der Bevölkerung unterernährt. Im Sudan erwarb Südkorea 690.000 Hektar, um Weizen anzubauen. Gleichzeitig ist jeder fünfte Sudanese unterernährt. Ein Bauernvertreter in Benin spricht von einem "Export der Lebensmittelunsicherheit": Damit sich etwa arabische Schwellenländer besser mit Nahrungsmitteln versorgen können, werden Kleinbauern in Afrika vertrieben.
Die Art der Landwirtschaft, die dort oft betrieben wird, hat mit den hehren Zielen der Investitionsbefürworter wenig zu tun. "Peak Soil"-Autor Thomas Fritz geht davon aus, dass oft Monokulturen entstehen. Gentechnisch verändertes Hochleistungssaatgut werde ebenso eingesetzt wie Agrarchemie. Einheimische Bauern fänden kaum eine Anstellung. Fritz nennt Zahlen, wonach auf Maisplantagen ein Mitarbeiter je 100 Hektar beschäftigt wird und selbst auf Zuckerrohrfeldern, die im Vertragsanbau bewirtschaftet werden, nur einer auf drei Hektar. Unterm Strich sei das ein "kläglicher Beschäftigungseffekt". Bekämpfung von Armut könne man "nicht mit industriell geführten Plantagen betreiben".
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» Jenseits der eigenen Grenzen - Staaten auf Einkaufstour
» Peak Soil - Auf der anderen Seite stehen die Finanzinvestoren
» Rechte der Kleinbauern - Keine Handhabe gegen die Übernahme
» Offiziell begrüßt» Schaffung von Arbeitsplätzen - Gibt es auch positive Beispiele?
» Nutzen für Kleinbauern - Versprechen sind schwer nachprüfbar
» Beobachter bleiben skeptisch - Potenziale sind nur Potenziale
» Verantwortungsvolles Investieren - Kein Siegel gegen Landraub
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