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25. Juli 2012
Land Grabbing
Landübernahme durch Ausländer
Landübernahme durch Ausländer

Eine neue Form des Kolonialismus?

Im März 2007 protestieren Bewohner und Arbeiter aus Sre Ambel in der kambodschanischen Provinz Koh Kong gegen die gewaltsame Übernahme ihres Landes. Ein paar Monate zuvor wurden ihre Felder plattgewalzt.
Foto: LICADHO


Das Räumkommando kam mit schwerem Gerät. Unter dem Schutz von Militärpolizisten und Soldaten walzten Arbeiter die Felder in der kambodschanischen Provinz Koh Kong platt. Dort wo bis zu jenem Mai 2006 rund 400 Familien Reis angebaut und sich einen bescheidenen Lebensunterhalt gesichert hatten, lässt nun der Konzern Khon Kaen Surag Industry auf ausgedehnten Plantagen Zuckerrohr wachsen. Das thailändische Unternehmen produziert daraus Rohzucker, der nach Europa verschifft wird. Die Kleinbauern, die ihre Felder zuvor jahrelang beackert hatten, wurden vertrieben - ein klarer Fall von Menschenrechtsverletzung.

Die gewaltsamen Räumungen in Koh Kong ist kein Einzelfall, sagt Roman Herre, Agrarreferent bei der Organisation FIAN (Food First Informations- und Aktionsnetzwerk). Herre hat ähnliche landwirtschaftliche Projekte in dem südostasiatischen Land besichtigt. Kambodscha, so sein Fazit, gehöre "zu den wildesten Ländern", wenn es um ein derzeit in vielen Regionen des Südens zu beobachtendes Phänomen geht: die Übernahme riesiger Agrarflächen durch ausländische Investoren. Weil dabei regelmäßig bisherige Nutzer ihre Weideflächen oder Äcker verlieren, hat sich ein prägnanter Begriff eingebürgert: Landraub.

Von einer "neuen Form des Kolonialismus" spricht Beat Dietschy, Zentralsekretär der Schweizer Organisation "Brot für alle". Die Organisation OXFAM bezeichnet die Vorgänge in einer Studie mit dem Titel Land and Power als "development in reverse" - sinngemäß: als "Entwicklung im Rückwärtsgang". Gänzlich neu sind ausländische Landnahmen in Ländern des Südens selbstverständlich nicht. Schon lange bauen Konzerne in Indien und der Karibik, in Lateinamerika und Afrika auf großen Plantagen Kakao und Zuckerrohr, Tee und Bananen an. Allerdings haben sich sowohl das Ausmaß als auch die Strukturen seit wenigen Jahren deutlich verändert. Es gebe "andere Motive, andere Akteure und andere Geschäftsmodelle", sagt Thomas Fritz vom "Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika" (FDCL) in Berlin. Zu den Unternehmen, die den Appetit auf bestimmte Lebensmittel befriedigen, gesellen sich Schwellenländer, die Nahrungsmittel anbauen, zudem Energiekonzerne und Finanzinvestoren.




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