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22. Dezember 2011
Erneuerbare Energien
Bio-Gas
Bio-Gas

Wie sieht es mit Energiebilanz und Geruchsentwicklung aus?

Eine ordnungsgemäß funktionierende Bio-Gas-Anlage stinkt nicht. Im Gegenteil: Die Gärprodukte riechen nicht annähernd so intensiv wie die Gülle, die als Rohstoff in der Bio-Gas-Anlage verarbeitet wird.
Foto: sykicktb/sxc


Verbrauchen Bio-Gas-Anlagen mehr Energie als sie bereitstellen?
Eine Bio-Gas-Anlage ist kein Perpetuum mobile, sie verbraucht Energie. Um zu errechnen, ob mehr Energie verbraucht als erzeugt wird, ist die gesamte Prozesskette zu berücksichtigen. Anhand von drei Bio-Gas-Anlagen in Südhessen wurde dies für eine wissenschaftliche Studie der Universität Gießen durchgeführt. In die Verbrauchsermittlung wurde unter anderem der Dieselverbrauch der Traktoren aufgenommen, der Aufwand für Transporte des Substrats, der Eigenstrombedarf der Anlage, aber auch die Energie, die für die Produktion der Baustoffe benötigt wurde. Das Ergebnis: Der sogenannte "Erntefaktor" betrug 4,5. Das bedeutet, dass die Anlage etwa 4,5-mal mehr an erneuerbarer Energie produziert, als sie an fossiler Energie verbraucht. Laut Fachverband Bio-Gas liegt der maximal mit Bio-Gas mögliche Erntefaktor bei sechs. Der Einsatz von Abfall- und Reststoffen verbessere die Energiebilanz noch weiter.

Trifft es zu, dass Bio-Gas-Anlagen stinken und ihre Gärprodukte die Umwelt belasten?
Wenn es stinkt, ist was faul. Eine ordnungsgemäß funktionierende Bio-Gas-Anlage stinkt nicht. Im Gegenteil: Die Gärprodukte riechen nicht annähernd so intensiv wie die Gülle, die als Rohstoff in der Bio-Gas-Anlage verarbeitet wird. Sie können als Dünger auf den Acker ausgebracht werden; dabei bieten sie sogar den Vorteil, dass sie Nährstoffe besser an die Kulturpflanzen abgeben. Weiterer Mehrwert: Es kann Handelsdünger gespart werden. Laut dem Fachverband Bio-Gas sind Geruchsbelästigungen nur dann möglich, wenn Bio-Masse vor oder nach dem Prozess nicht sachgerecht gelagert wird oder schlecht vergorenes Material auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht wird.

Eine 2010 veröffentlichte Studie des Karlsruher Instituts für Technologie im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg thematisiert allerdings erhebliche Probleme bei Anlagen, in denen Energiemais in starkem Maße oder gar ausschließlich als Substrat zum Einsatz kommt. In deren Gärresten sammeln sich demnach reaktive und leicht abbaubare Stickstoffverbindungen. Im Gärrestelager und auf dem Feld wird dann unter anderem übel riechendes und giftiges Ammoniakgas frei. Die Verringerung dieser Freisetzungen stelle derzeit eine besondere technische Herausforderung dar, heißt es in der Studie. Die Autoren empfehlen, mehr Gülle und Reststoffe für die Bio-Gas-Produktion zu nutzen.

Verursacht der Betrieb einer Bio-Gas-Anlage mehr Verkehr?
Je größer die Anlage, desto stärker die Verkehrsbelastung. Den Rekord hält der Bio-Gas-Park Penkun in Mecklenburg-Vorpommern. Hier wurden 40 Kraftwerke mit je fünf Megawatt Leistung errichtet. Ihr Hunger nach Rohstoffen beeindruckt: Um mehr als 800 Tonnen Maissilage für den Volllastbetrieb anzuliefern, müssen laut der Planung für das Projekt täglich über 30 Lastwagen anrollen. Im Normalfall ist eher davon auszugehen, dass sich das Verkehrsaufkommen im Rahmen des üblichen landwirtschaftlichen Verkehrs bewegt. Wesentlich für die Akzeptanz bei den Nachbarn einer Bio-Gas-Anlage ist ein tragfähiges Logistikkonzept. Dieses legt fest, wo gefahren wird und welche Bereiche zu umgehen sind. Zum professionellen Management einer Anlage gehören zudem weitere Vereinbarungen mit Anwohnern. Beispielsweise sollte besprochen werden, bis wann nachts Anlieferungen möglich sind und wo die Fahrzeuge besonders langsam fahren sollten.

( oet )





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Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.


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